Don´t Pan(ic) Dora! http://dontpanicdora.blogsport.de Sun, 25 Feb 2018 19:36:50 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Schreibtischtäterinnen ihres Systems? http://dontpanicdora.blogsport.de/2018/02/25/schreibtischtaeterinnen-ihres-systems/ http://dontpanicdora.blogsport.de/2018/02/25/schreibtischtaeterinnen-ihres-systems/#comments Sun, 25 Feb 2018 19:14:55 +0000 Dora Antisemitismus Harry Potter http://dontpanicdora.blogsport.de/2018/02/25/schreibtischtaeterinnen-ihres-systems/ Nach mehrfachem Wunsch möchte ich meine Hausarbeit mit euch teilen, die eine ganze Weile in den Tiefen meines Rechners liegen geblieben ist, die Krux der verschiebbaren Abgabefrist…
Die Sensibilität des Themas schafft einen relativ hohen Erwartungsdruck, aber ich habe es zumindest versucht, ihr könnt euch selber einen Eindruck verschaffen, wie ich das gemeistert habe und Kritik und Diskussion ist sehr willkommen.
Ich habe mich entschieden, die Arbeit nicht wirklich zu kürzen (eigentlich nur die Fußnoten für die bessere Lesbarkeit, wenn ihr irgendwo dazu Nachfragen habt, Bescheid sagen!), obwohl sie verdammt lang geworden ist, deshalb müsst ihr je nachdem wie gut ihr euch bereits auskennt, entweder sehr viel Bekanntes über Harry Potter oder über Antisemitismus ertragen ¯\_(ツ)_/¯
So oder so: viel Spaß!

Schreibtischtäterinnen ihres Systems?
Dolores Umbridge und Adolf Eichmann, ein Vergleich.

Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
2. Charakterisierung Umbridges und des Regimes unter Voldemort
2.1 Die Todesserinnen und ihre Ideologie
2.2 Dolores Jane Umbridge
3. Charakterisierung Eichmanns und des NS Regimes
3.1 Die Geschichte des Antisemitismus
3.2 Adolf Eichmann
4. Vergleich
4.1 Die Ideologien
4.2 Rädchen im System?
5. Fazit
6. Literatur- und Quellenverzeichnis

In der gesamten Arbeit wird bei der Benennung von mehreren Personen das generische Femininum genutzt, wobei alle Angehörigen dieser Gruppe gemeint sind. Dies soll dem einfacheren Lesen dienen, auch wenn dadurch Personen inkludiert werden, die männlich sind oder sich keinem Geschlecht zuordnen können/wollen. Bei ideologischen Eigenbezeichnungen bspw. im Nationalsozialismus sollte beachtet werden, dass das binäre Geschlechtssystem sowie entsprechende stereotype Geschlechterbilder ein Teil dieser Ideologien sind. Wenn es um diskriminierende, historische Realitäten geht, wird auf das generische Femininum verzichtet, um auf diese Tatsache aufmerksam zu machen.

1. Einleitung
Popkultur dient in Zeiten von gesellschaftlichen Analysen, die Social Media gerecht gekürzt werden wollen, als viel genutzte Analogie zu (zeit-)historischen Ereignissen und Phänomenen. Insbesondere die „Harry Potter“-Serie gilt als generationsprägend für Menschen, die mit der Veröffentlichung der Bücher (1997 – 2007) aufwuchsen und bietet sich mit dem klassischen Gut-Böse-Schema für solche Vergleiche und Gleichsetzungen an. Die Autorin Joanne K. Rowling bestätigte zudem 2007, dass sie bewusst Parallelen zwischen der Ideologie der Nazis und der in ihren Romanen ziehen wollte: „I wanted Harry to leave our world and find exactly the same problems in the wizarding world“. Die Fragen inwieweit solche Parallelen gelungen sind und ob solche Vergleiche nicht eher historische Verbrechen relativieren, war Auslöser für die vorliegende Arbeit.
Bevor man sich wissenschaftlich dem Vergleich eines fiktionalen Charakters und einer historischen Person widmen kann, sollte man sich also genau dies klar machen: Adolf Eichmann war eine historische Person, ein real existierender Mensch, der am größten Verbrechen der Menschheit beteiligt war. Dolores Jane Umbridge hingegen ist, in all ihrer deutlich beschriebenen Grausamkeit, immer noch ein fiktionaler, nicht existenter Buchcharakter. Deshalb sollte ein solcher Vergleich nur unter Rücksicht auf das Andenken der Opfer der Nationalsozialistinnen gezogen werden, deren Leid und Erfahrung nicht relativiert werden darf. Dennoch ist auf dieser Basis ein wissenschaftlicher Vergleich möglich, insbesondere vor dem Hintergrund der Häufigkeit von nichtwissenschaftlichen Gleichsetzungen vielleicht sogar notwendig.
Den Ausgangspunkt bietet die oftmalige Charakterisierung Eichmanns wie Umbridges als sogenannte „Schreibtischtäterinnen“. Damit wird der Archetyp einer indirekten Verbrecherin beschrieben, die von ihrem Schreibtisch aus die Verbrechen anderer koordiniert. Hannah Arendt schreibt diesem Musterbild in ihrem Bericht zum Prozess Eichmanns in Jerusalem 1961 eine „Banalität“ zu, die dem beinahe übernatürlichen, teuflisch Bösen gegenüber steht. Inwieweit damit nicht nur Eichmann, sondern auch Umbridge charakterisiert werden kann, soll diese Arbeit klären.
Bei der herangezogenen Methode handelt es sich um eine vergleichende, bei der zuerst der Charakter Umbridges und die Voraussetzungen ihrer Welt betrachtet werden, anschließend die Person Eichmanns und die Funktionsweise von Antisemitismus im Nationalsozialismus, um diese am Ende einander gegenüber zu stellen.
Dabei gibt es auch einiges, was der Text nicht leisten kann. Die Menge an Informationen und an Details sprengt den Umfang der Arbeit. Um eine sinnvolle Vergleichsarbeit leisten zu können, wird nur auf Details eingegangen, die für den direkten Vergleich relevant sind oder zum Verständnis, insbesondere der Welt von „Harry Potter“, dienen.
Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich mich bei der Analyse der „Harry Potter“-Bücher aufgrund des sehr kleinen, wissenschaftlichen Pools zum Thema, rein auf eine eigene Textanalyse beziehe, also eine eigene Interpretation der Texte.

2. Charakterisierung Umbridges und des Regimes unter Voldemort
Die siebenbändige Buchreihe „Harry Potter“ erzählt die Entwicklungsgeschichte eines jungen Zauberers, der dazu gezwungen wird, sich mit dem „schwarzen“ Magier Lord Voldemort zu messen. Vor diesem individuellen Hintergrund beschreibt die Autorin Joanne K. Rowling eine, an eine Demokratie angelehnte, Hexen-Parallelgesellschaft in Großbritannien, die sich gegen permanente Angriffe der „Todesserinnen“, der Gruppierung um Voldemort, behaupten muss, die im Sinne ihrer Ideologie des „reinen Blutes“ mindestens eine Vormachtstellung für sich beanspruchen.
Aufgewachsen bei seinen nichtmagischen Verwandten, erfährt Harry erst im Alter von elf Jahren, dass er ein Zauberer ist und besucht von da an die Hexenschule „Hogwarts“ und taucht in eine magische Parallelwelt ein. Von Jahr zu Jahr (gleichzeitig auch von Buch zu Buch) bekämpft Harry, unterstützt von seinen Freundinnen, immer wieder die Bestrebungen Lord Voldemorts, die Macht über die Hexengemeinschaft zu ergreifen.
Die besondere Verbindung der beiden erklärt Rowling damit, dass Harry als Säugling einen Angriff Voldemorts, dem seine Eltern zu Opfer fielen, überlebte. Hingegen überlebte Voldemort den Angriff nur knapp und vegetierte seitdem in fremden Körpern. Nachdem dieser am Ende von Harrys viertem Schuljahr seinen Körper wiedererlangt (Band 4, S. 669ff.), beginnt er Schritt für Schritt die Hexengesellschaft zu übernehmen und zu beherrschen. Gelingt ihm das im fünften Teil noch im Verborgenen, komplett verleugnet vom „Zaubereiministerium“ (Band 5, S. 115), so wird er zwar ab dem sechsten Band auch durch das Ministerium bekämpft (Band 6, S. 48), kann aber schließlich im siebten Band eine von ihm gesteuerte Marionette als „Zaubereiminister“ einsetzen (Band 7, S. 214) und so die Macht komplett an sich reißen, bis er am Ende der Buchserie im Kampf mit Harry stirbt und damit auch sein Herrschaftssystem (Band 7, S. 752). Zeitlich lässt sich die Handlung der Buchserie in die Jahre 1991 bis 1998 einordnen.

2.1 Die Todesserinnen und ihre Ideologie
In der Welt von Harry Potter leben magisch begabte Menschen und nicht magisch begabte Menschen, genannt „Muggel“ (engl. „muggle“), nebeneinander her. Einige Hexen idealisieren die selbstbezeichnete „Reinheit“ ihres Blutes (Band 2, S. 121). Das heißt, dass sie daran glauben, dass Menschen aus nichtmagischen Familien oder mit nichtmagischen Familienmitgliedern weniger „wert“ sind als solche mit einem komplett magischen Stammbaum. Das „Muggelblut“ „verschmutzt“ dabei den „reinen“ Stammbaum auch über mehrere Generationen. Harry selbst, gilt zum Beispiel aufgrund seiner Muggel-Großeltern mütterlicherseits als ein sogenanntes „Halbblut“.
In den Büchern werden verschiedene Stufen der Ressentiments gezeigt. Horace Slughorn, Lehrer für „Zaubertränke“ ab dem sechsten Band, erklärt Harry, dass er nicht glauben konnte, dass Harrys Mutter Lily Potter, geborene Evans, aus einer Muggelfamilie kam, er dachte „sie müsste reinblütig sein, so gut, wie sie war“ (Band 6, S. 76). Trotz seiner latenten Vorurteile kämpft Slughorn in der Schlacht um Hogwarts auf Harrys Seite gegen Voldemort mit (Band 7, S. 743).
Als geschlossenes Weltbild präsentieren sich dagegen die Ansichten bei mehreren der im Buch vorgestellten großen Hexenfamilien, beispielsweise den Blacks. Neben einem Hang zur „dunklen“ Magie legen sie enormen Wert auf ihre Herkunft und ihr „reines“ Blut (Band 5, S. 135ff.). Insgesamt gibt es jedoch so wenige Hexen, dass eine Vermischung mit Muggeln eigentlich unvermeidlich war (Band 2, S. 121). Das „Reinhalten“ des eigenen Stammbaumes war nur dadurch möglich, dass die alten magischen Familien sich immer wieder untereinander verheirateten. Sirius Black, Harrys Pate, berichtet Harry von diesem Phänomen: „‘Die reinblütigen Familien sind alle miteinander verwandt!‘, sagte Sirius. ‚Wenn du deine Söhne und Töchter nur Reinblüter heiraten lässt, ist die Auswahl sehr beschränkt; es gibt kaum noch welche von uns.‘“ (Band 5, S. 138). Dabei wurden alle, die nicht nach den Vorstellungen der Familie lebten und heirateten, aus der Familie ausgestoßen und als Schande für die Familie wahrgenommen, so zum Beispiel Sirius Cousine Andromeda, die Ted Tonks, einen Muggelgeborenen, heiratete. Andromeda wurde aus dem Stammbaum der Blacks, einem alten Wandteppich, wortwörtlich heraus gebrannt (Band 5, S. 138).
Auch wurden ganze Familien aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, so sind die Weasleys, die Familie von Harrys bestem Freund Ron und seiner zukünftigen Frau Ginny, eine ebenso alte, „reinblütige“ Familie, gelten jedoch als „eine Schande für die gesamte Zaubererschaft“ (Band 2, S. 67). Arthur Weasley, der Familienvater, wird für seine „Muggelliebe“ und seinen Einsatz für den Schutz von Muggeln verachtet und auch beruflich abgestraft. So ist er zwar Leiter des Büros gegen den „Missbrauch von Muggelartefakten“, wird jedoch schlecht bezahlt und symbolisch, wie das gesamte Arbeitsfeld, abgewertet, zum Beispiel durch sein „schäbiges Büro“, dass „noch ein wenig kleiner als der Besenschrank“ wirkt (Band 5, S. 160).
Sind dies alles noch gesellschaftliche Ressentiments, wird die Ungleichbehandlung unter der Marionetten-Regierung Voldemorts zum Gesetz. Die Übernahme des Ministeriums erfolgt schleichend: Gefolgsleute Voldemorts unterwerfen magisch Pius Thicknesse, den Leiter der Abteilung für „Magische Strafverfolgung“ im Ministerium (Band 7, S. 13), der als hochrangiger Mitarbeiter nicht nur Kontakt zum Minister selbst hat, sondern auch zu den Leiterinnen der anderen Abteilungen (Band 7, S. 13f.). Bereits zu diesem Zeitpunkt, ca. Juli 1997, ist das Zaubereiministerium schon so weit unterwandert, dass eine nahezu lückenlose Überwachung von Harry Potter und anderen Gegnerinnen Voldemorts möglich ist.
Mit der Ermordung des Zaubereiministers am 1. August 1997 erfolgt letztendlich die komplette Machtübernahme. Diese verläuft „reibungslos und weitgehend ruhig“ (Band 7, S. 214), der Bevölkerung wird mitgeteilt, dass der Zaubereiminister zurückgetreten ist und Thicknesse das Amt übernommen habe (Band 7, S. 214). Voldemort selbst hält sich bedeckt, Remus Lupin, ein enger Freund von Harrys verstorbenen Eltern, erklärt, dass andernfalls „vielleicht eine offene Rebellion ausgelöst“ worden wäre (Band 7, S. 215).
Gleichzeitig mit der Machtübernahme im Ministerium erfolgt die Übernahme des „Tagespropheten“, der einzigen, großen Tageszeitung der magischen Welt Großbritanniens. Dadurch hat Voldemort die Möglichkeit, seine Propaganda direkt zu verbreiten und beispielsweise Harry in Verruf zu bringen (Band 7, S. 214).
Neben der kompletten Kontrolle der Transportwege, legen die Todesserinnen auch einen „Bann“ auf den Namen Voldemort. Durch die Aussprache des Namens lassen sich die Sprechenden aufspüren und somit kann eine totale Überwachung und Bedrohungslage durchgesetzt werden (Band 7, S. 398).

Das Ministerium unter Voldemort macht einen schnellen Kurswechsel durch. Über den „Tagespropheten“ lässt man verbreiten, dass Magie „nur von Person zu Person weitergegeben werden kann, wenn sich Zauberer fortpflanzen“ (Band 7, S. 216). Somit unterstellt man allen Muggelgeborenen, ohne eine Hexe im Stammbaum, ihre Magie nur „gestohlen“ zu haben. Die „Registrierungskomission für Muggelstämmige“ wird ins Leben gerufen (Band 7, S. 303f.).
Die Untersuchung des Stammbaums geht einher mit der Herabstufung zu Hexen zweiter Klasse. Können keine magischen Verwandten nachgewiesen werden, kann man mit einem Aufenthalt in „Askaban“, dem magischen Gefängnis, rechnen. Unter anderem gibt die Kommission eine Broschüre namens „Schlammblüter und die Gefahren, die sie für eine friedliche reinblütige Gesellschaft darstellen“ (Band 7, S. 257) heraus. Der Begriff „Schlammblüter“ dient als ein Schimpfwort für Muggelgeborene, um auszudrücken, dass ihr Blut schmutzig und verdorben sei. Auf dem Deckblatt ist eine rote Rose mit einem lächelnden Gesicht zu sehen, „die von Schlingen eines grünen Unkrauts mit finsterer Miene stranguliert wurde“ (Band 7, S. 257).
Auch in Hogwarts hat das Regime seinen Einfluss und seine Diskriminierung institutionalisiert.
Als neuer Schulleiter wird mit Severus Snape ein ranghoher Todesser eingesetzt. Zwei weitere Todesserinnen, Amycus und Alecto Carrow, sind „für die ganze Disziplin verantwortlich“ (Band 7, S. 582), was konkret bedeutet, dass sie Schülerinnen dazu zwingen, sich gegenseitig zu foltern. Außerdem lehren sie in der zum Pflichtfach gewordenen „Muggelkunde“, dass „Muggel wie Tiere sind, dumm und schmutzig, und dass sie die Zauberer in den Untergrund getrieben hätten“ (Band 7, S. 582). Des weiteren hat Voldemort eine Schulpflicht eingeführt, um schon im jungen Alter Zugriff auf die magische Bevölkerung zu erhalten, jedoch dürfen nur noch Kinder mit einem nachgewiesenen Stammbaum die Schule besuchen (Band 7, S. 217). Verhielt sich eine Familie nicht nach ihren Vorstellungen, verschwanden die Kinder am Anfang oder Ende der Ferien, um so ein anderes Verhalten zu erzwingen (Band 7, S. 584).

Die Umwälzungen werden der magischen Gesellschaft grundsätzlich aufgezwungen, es gibt keine Wahlen. Voldemort übernimmt die Macht nicht direkt und offen, sondern agiert über Marionetten und damit über die bestehenden Verhältnisse. Kämpfte das Ministerium, nach der Verleugnung der Rückkehr Voldemorts im fünften Band, im sechsten Band noch gegen die Todesserinnen an, stehen sie im siebten Band auf der anderen Seite. Die Hexengemeinschaft leidet unter dem Terror, sie erwarten sich eigentlich Schutz durch das Ministerium (Band 6, S. 21), eine Minderheit steht also gegen die Mehrheitsgesellschaft. Dennoch gibt es kaum offenen Widerstand, die Hexen haben „Angst, dass sie die Nächsten sein werden, die verschwinden“ (Band 7, S. 97). Als einzige konkrete Widerstandsgruppen werden der „Orden des Phönix“ und „Dumbledores Armee“ genannt. Der Orden wird als eine Geheimgesellschaft eingeführt, in der sich Hexen zum Kampf zusammenschließen (Band 5, S. 85f.), während Dumbledores Armee eine von Harry ins Leben gerufene Schülerinnengruppe ist, die anfangs als Form des Widerstands gegen Umbridges Unterricht der Übung von defensiver Magie dient (Band 5, S. 383ff.), nach der Machtübernahme Voldemorts jedoch auch aktiv Widerstand in Hogwarts leistet (Band 7, 582ff.).
Der Orden agiert dabei die ganze Zeit unabhängig vom Ministerium, auch vor der Übernahme. Zwar sind viele Ordensmitglieder auch im Ministerium angestellt, unter anderem sind mehrere „Aurorinnen“, die Exekutive in der magischen Gesellschaft, Mitglieder des Ordens (Band 5, S. 117), trotzdem bleibt aufgrund des häufig als manipulativ empfundenen Verhaltens der jeweiligen Zaubereiminister und der finanziellen Abhängigkeit des Ministeriums von den großen magischen Familien wie den Malfoys das Verhältnis zwischen Orden (sowie auch Harry) und Ministerium immer unterkühlt (Band 7, S. 128).

2.2 Dolores Jane Umbridge
Dolores Jane Umbridge hat ihren ersten Auftritt im fünften Band „Harry Potter und der Orden des Phönix“. Sie ist in ihrer Funktion als erste Untersekretärin des Zaubereiministers Teil des „Zaubergamots“, dem Hexengericht, dem sich Harry Potter aufgrund von falschen Anschuldigungen stellen muss (Band 5, S.167ff.). Zu Beginn dieses Schuljahrs, Harrys fünftem, übernimmt sie zudem den Posten der Lehrerin für das Fach „Verteidigung gegen die dunklen Künste“. Dies ist eine politische Entscheidung des Zaubereiministers Cornelius Fudge, der damit den Einfluss des Ministeriums in Hogwarts erhöhen will (Band 5, S. 249ff., insbesondere S.253). Durch verschiedene Ausbildungserlasse erweitert Umbridge mit Fudges Hilfe ihre Macht in Hogwarts immer mehr. Sie wird zur sogenannten „Großinquisitorin“ ernannt (Band 5, S. 361), und schließlich, nach der Flucht des Schulleiters Albus Dumbledore, selbst zur Schulleiterin (Band 5, S.733). Unterstützt durch das von ihr ernannte „Inquisitionskommando“ (Band 5, S. 734), bestehend aus ihr ideologisch nahestehenden Schülerinnen, versucht sie immer wieder ihre Machtstellung in der Schule zu sichern, muss jedoch gegen den breiten Widerstand der Schule kämpfen.
Während dem gesamten Schuljahr ist Harry Potter für sie ein besonderer Dorn im Auge. Da das Ministerium seinem Mentor Dumbledore unterstellt einen Putsch zu planen und Harry Dumbledore offen unterstützt beziehungsweise beide offen erklären, dass Voldemort zurückgekehrt ist, geraten sie mehrfach aneinander.
Auch sonst zeigt Umbridge zum Beispiel den Lehrerinnen, die Dumbledore gegenüber loyal sind deutlich ihre Abneigung und quält sie mit erniedrigenden Unterrichtsbeurteilungen (z.B. Band 5, S. 369ff.).
Nach ihrem Sturz als Direktorin kann sie aufgrund eines Machtwechsels ohne Konsequenzen wieder ins Ministerium zurückkehren. Schließlich bringt ihr die Machtübernahme durch Voldemort und seine Anhängerinnen auch noch eine Beförderung ein: sie wird zur „Vorsitzenden der Registrierungskomission für Muggelstämmige“ (Band 7, S. 258). Dabei führt sie selbst Scheinverhandlungen gegen Muggelgeborene, die sie anklagt ihre Magie nur gestohlen zu haben und sie dann nach Askaban schickt (Band 7, S. 266ff.). Nach Ende der Herrschaft Voldemorts wird sie für ihre Verbrechen verurteilt und kommt selbst nach Askaban.

Umbridge kommt aus einer Familie mit einem magischen Vater, einer Muggel-Mutter und einem Bruder, der ebenfalls nicht magisch ist, ein sogenannter „Squib“. Sie verachtet ihre Mutter und ihren Bruder aufgrund des Mangels an Magie, bricht jedoch auch mit ihrem Vater, der ihr zu wenig ambitioniert ist und damit, ihrer Meinung nach, ihrem Ansehen schadet.
Rowling stellt Umbridge als eine Frau dar, die aussieht wie eine Kröte (Band 5, S. 176), die mit ihrer Vorliebe für Kitsch, die Farbe rosa und Katzenteller (Band 5, S. 312f.) auf den ersten Blick harmlos und eher lächerlich wirkt.
Umbridge unterbricht die alljährliche Routine Hogwarts bei ihrer Vorstellung am Anfang von Harrys fünftem Schuljahr, als sie in einer Rede ihre Absichten zum Ausdruck bringt. Dafür nutzt sie jedoch eine so verschleiernde, bürokratische Ausdrucksweise, dass den wenigsten diese Absichten bewusst werden. Sie spricht sich dabei deutlich für eine rückschrittliche Politik aus, denn „dem Fortschritt um des Fortschritts willen [muss] eine Absage erteilt werden“, schließlich bräuchten „unsere erprobten und bewährten Traditionen nicht des Herumstümperns“ (Band 5, S. 251). Einzelne Äußerungen sind aber tatsächlich gar nicht so verschlüsselt, wie es aus Harrys Sicht dargestellt wird: „Gehen wir also voran in eine neue Ära der Offenheit, der Effizienz und der Verantwortlichkeit, bestrebt, das zu bewahren, was bewahrenswert ist, zu vervollkommnen, was vervollkommnet werden muss, und zu säubern, wo wir Verhaltensweisen finden, die verboten gehören.“ (Band 5, S. 252).
Mit zunehmendem Machtgewinn zeigt Umbridge auch zunehmend, dass sie Gefallen daran findet, wenn andere Menschen durch sie verunsichert werden oder sich schlecht fühlen und sie damit Macht über sie besitzt. Als Großinquisitorin darf sie den Unterricht der anderen Lehrenden inspizieren. Als die „Wahrsagen“-Professorin Trelawney ihr nicht direkt etwas voraussagen kann, um ihr dann direkt eine angebliche „abgrundtiefe Gefahr“ zu prophezeien, kommentiert sie dies nur mit: „‘Nun, wenn das alles ist, was Sie können…‘“ (Band 5, S. 371). Ebenso lässt sie den „Zaubertränke“-Professor Snape bei seiner Inspektion seine Niederlage bei der Bewerbung um den Posten als Lehrer für „Verteidigung gegen die Dunklen Künste“ erklären (Band 5, S. 427). Sowohl Snape als auch Trelawney verdanken ihre Stelle Dumbledore und gelten als loyal ihm gegenüber. In dem Moment, in dem sie mit dieser Methode scheitert, gerät sie dagegen leicht aus der Fassung (Band 5, S. 781ff.).
Besonderes Vergnügen schien ihr auch das Quälen Harrys und seiner Freundinnen zu bereiten. So erteilt sie Harry und den Zwillingen Fred und George Weasley ein lebenslanges Spielverbot für den magischen Sport „Quidditch“ und verlässt danach den Raum „mit einem Ausdruck tiefster Befriedigung“ (Band 5, S. 489). Aber auch das Zufügen physischer Schmerzen (z.B. durch ihre Schreibfeder) bereitet ihr offensichtliche Freude (Band 5, S. 315f.).
Umbridge hat neben ihrer Verachtung für nichtmagische Menschen, eine noch größere Abscheu gegenüber nichtmenschlichen, magischen Geschöpfen. Besonders deutlich wird dies in ihrer Interaktion mit Hagrid, den Wildhüter und Lehrer für „Pflege Magischer Geschöpfe“, den sie eben nicht nur wegen seiner Loyalität zu Dumbledore verachtet, sondern besonders dafür, dass seine Mutter eine Riesin war. Sie zeigt ihre Abneigung offen vor allen Schülerinnen, beispielsweise indem sie mit ihm spricht, „ganz als würde sie mit jemandem reden, der fremd und nicht besonders schnell von Begriff war“ (Band 5, S. 525). Auch gegenüber Firenze, einem Zentauren, der das Fach „Wahrsagen“ unterrichtet, nachdem Umbridge selbst Trelawney entlassen hat, zeigt sie offene Abscheu (Band 5, S. 702ff.).
Während sich Umbridge auf den ersten Blick viel auf Gesetze, Verordnungen und Erlasse beruft, zeigt sich recht schnell, dass sie diese nur respektiert, solange sie ihrem Willen dienen oder dahingehend veränderbar sind. So reagiert sie auf ein von Harry gegebenes Interview mit einem lächerlich wirkenden Verbot der Zeitschrift, in der es erschienen war (Band 5, S. 683). Um an Informationen zu gelangen missachtet sie jedoch klar Gesetze. Sie versucht Harry illegalerweise einen Wahrheitstrank zu verabreichen (Band 5, S. 739ff.) und ist sogar bereit ihn mit dem „unverzeihlichen“ Folterfluch zu belegen. Auf den Vorwurf, dass der Minister es nicht gutheißen würde, wenn sie das Gesetz bräche, reagiert sie mit den Worten „‘Was Cornelius nicht weiß, macht ihn nicht heiß‘“ (Band 5, S. 877) und gesteht zu diesem Zeitpunkt auch, dass sie ohne Erlaubnis im vorangegangenen Sommer Dementoren, die Wächter von „Askaban“, auf Harry gehetzt hatte. Damit macht sie mehr als deutlich, dass für sie manchmal „die Umstände die Mittel“ rechtfertigen würden (Band 5, S. 876).
Umbridge ist also wesentlich mehr als eine „Schreibtischtäterin“, obwohl sie sich die Bürokratie zu nutzen macht, zeigt sie immer wieder ihren Sadismus und ihre menschenverachtende Ideologie.

3. Charakterisierung Eichmanns und des NS Regimes
Um die Art und Weise der Diskriminierung von Jüdinnen im Nationalsozialismus verständlicher zu machen, muss man erst einen Blick auf die geschichtliche Entwicklung des Antisemitismus werfen.

3.1 Die Geschichte des Antisemitismus
Wann immer Jüdinnen in der Diaspora lebten waren sie mit Hass gegen sich konfrontiert. Bereits die biblischen Texte behandeln Hass und Vernichtungsdrohungen gegen das jüdische Volk. Dabei war der Hass „die Antwort der Völker auf den Erwählungsglauben Israels“. Mit der Entstehung des Christentums kam eine religiös begründete Jüdinnenfeindschaft auf. In der Auseinandersetzung mit dem eigenen Ursprung wand sich das Christentum vom Judentum ab, von dem Volk, dass nicht nur Jesus Christus nicht als den „Sohn Gottes“ als solchen anerkannt hatte, sondern ihn sogar hatte kreuzigen lassen.
Mit der Ausbreitung des Christentums und der sogenannten „christlich-abendländischen Kultur“ wurden Jüdinnen „zur Minderheit par excellence“ und immer mehr aus dem öffentlichen Leben verdrängt. Durch verschiedene Konzile und Synoden der Kirche wurde beispielsweise eine gesetzlich regulierte Trennung von Christinnen und Jüdinnen erwirkt. Beim IV. Laterankonzil 1217 wird die Kennzeichnung der Kleidung von Juden beschlossen, dies wird später auch von der staatlichen Gesetzgebung übernommen. Damit wird eine gesellschaftliche Isolierung eingeleitet, die im Spätmittelalter, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, bis zur Einrichtung von Ghettos weitergeführt wird.
Wurden Juden durch den Ausschluss aus den Zünften vom Handwerk ausgeschlossen, ihr Recht auf Grundbesitz bestritten und wurden sie im Fernhandel weitestgehend durch christliche Kaufleute ersetzt, blieb häufig nur die Pfandleihe und das Zinsgeschäft um sich eine Lebensgrundlage zu schaffen. Da der Zinshandel jedoch als „Wucher“ galt und deshalb auch Christen verboten war, entstand das Stereotyp der geldgierigen Jüdin, „die die Notlage ihrer christlichen Umwelt erbarmungslos ausnutze“.
Was mit Ausgrenzung begann mündete bereits im Jahre 1096 in die ersten Pogromwelle in Europa. Der erste Kreuzzug richtete sich gegen die „Feinde Christis“ und man stellte Jüdinnen vor die Wahl den christlichen Glauben durch Taufe anzunehmen oder zu sterben.
Ab ca. dem 12. Jahrhundert kamen neue Mythen auf, die ebenfalls wieder in Pogrome mündete. Den Jüdinnen wurde „Hostienfrevel“vorgeworfen, sowie Ritualmorde an Christinnen und Christen, dabei wurden sie häufig dämonisiert und es wurde ihnen Satansanbetung unterstellt.
Ebenso gab es bereits früh nichtklerikale Begründungen der Jüdinnenfeindschaft. So wurde Jüdinnen während der Pestepidemie im 14. Jahrhundert unterstellt für die Verbreitung der Pest durch die Vergiftung von Brunnen verantwortlich gewesen zu sein.

Durch „die Auflösung der ständisch verfaßten (sic!), zumeist absolutistisch regierten alteuropäischen Ordnung und die Ausbildung einer neuen bürgerlichen Gesellschaft“ entstand im 19. Jahrhundert eine völlig neue Ausgangslage, auch für Jüdinnen, sowie für diejenigen, die ihnen feindlich gegenüberstehen. Der Emanzipation der bürgerlichen Gesellschaft folgte bald die Frage nach einer Emanzipation der Jüdinnen. Jüdinnen waren seit dem 18. Jahrhundert immer mehr Teil eines bürgerlichen Mittelstandes geworden und waren durch weltliche Bildung ein Teil einer „deutschen Gesellschaft“ (im Sinne von deutschsprachig) geworden. Mit diesem Wandel stellte sich auch die Frage nach einer besseren Stellung der Jüdinnen in der modernen Gesellschaft. Dabei wurde diese Frage häufig auch als eine Lösung für eine Unangepasstheit und Andersartigkeit der Jüdinnen angesehen, so zum Beispiel von Christian Wilhelm Dohm in seinem Buch „Über die bürgerliche Verbesserung der Juden“ von 1781. Er sah die „Verdorbenheit der Juden“ als „eine notwendige und natürliche Folge der drückenden Verfassung (…) in der sie sich seit so vielen Jahrhunderten befinden“. Insgesamt sollten also die Jüdinnen nicht als eine religiöse-soziale Gruppe emanzipiert werden, sondern „als Individuen, die sich aus den spezifischen jüdischen Lebenszusammenhängen lösen würden“. Mit der Bildung des Deutschen Reiches wurde dann 1871 die bürgerliche Gleichstellung der Juden Gesetz.
Die neue gesellschaftliche Ordnung war auch eine wirtschaftliche. Der Kapitalismus zeigte seine negativen Auswirkungen und ausgehend von den altbekannten Vorurteilen wurden oftmals Jüdinnen mit diesen Auswirkungen in Verbindung gebracht. Das Krisenbewusstsein, das sich entwickelt hatte, artikulierte sich in einer antikapitalistischen Gesellschaftskritik, die dabei die wirtschaftlichen Entwicklungen mit der Liberalisierung und Emanzipation verband.
Anders als die alte Jüdinnenfeindschaft wandte sich diese neue Form weniger gegen die Religion, als vielmehr gegen das assimilierte und emanzipierte Judentum. Jüdinnen waren als Teil der Gesellschaft ein Problem, gerade auch durch ihren Wunsch nach Anerkennung als Deutsche.
Hinzu kam ein neue Form der „wissenschaftlichen“ Beschäftigung mit angeblichen „Rassen“. Hier wurde einer „arischen“ „Rasse“, eine „semitische“ „Rasse“ gegenüber gestellt. Dabei waren die „Arierinnen“, als Bezeichnung für eine indo-germanische Volksgruppe, den „Semitinnen“ biologisch überlegen. Als „Semitinnen“ wurden dabei nicht Angehörige der semitischen Sprachgruppe gesehen, sondern nur Jüdinnen, dies wird besonders deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass in den theoretischen Schriften der Zeit niemals von der „Semitenfrage“ die Rede war, sondern immer von „der Judenfrage“. Daraus folgend entstand ca. 1879 die Selbstbezeichnung „Antisemitinnen“, die mit dazu beitrug den Jüdinnenhass salonfähig zu machen.
Der entscheidende Unterschied zu allen bisherigen Formen war, und dies steht in direktem Zusammenhang mit der neuen Feindschaft gegen das emanzipierte, assimilierte Judentum, dass durch die biologistischen Erklärungsmuster nicht mehr die religiöse Zugehörigkeit zum Judentum verurteilt wurde, sondern man sich gegen einen angeblichen genetischen Defekt wandte, die Individuen wurden zum Problem, vollkommen unabhängig von ihrer Religion. Alexander Bein erklärt in seinem Aufsatz „Der moderne Antisemitismus“ weiterhin:
„Auch die Taufe ändert nichts an dieser Abneigung. Selbst wenn alle Juden zu den herrschenden Kirchen überträten, wie es die Liberalen wünschten, würde die Judenfrage nicht zu existieren aufhören. Im Gegenteil, Gefahr und Bedrohung für die Völker würden dadurch nur wachsen: ,,Gerade die getauften Juden sind diejenigen, die ohne Hindernisse am weitesten in alle Kanäle der Gesellschaft und des politischen Gemeinlebens eindringen.“
Gerade durch das Gewand der angeblichen Wissenschaft und durch drängende soziale Probleme, für die ein „Sündenbock“ gesucht wurde, schaffte es somit der neue Antisemitismus in seiner neuen, absoluten Radikalität in der breiten Gesellschaft anzukommen. Die folgende schrittweise Ausgrenzung und Entrechtung, Enteignung und Vertreibung sowie Vernichtung in der NS-Zeit war dabei nur die logische Konsequenz.
Die NSDAP nutzte diesen Antisemitismus und die damit verbundenen Existenzängste um sich eine breite Zustimmung der Bevölkerung zu sichern. Dies gipfelte in den Wahlsiegen der NSDAP (1932) und der anschließenden Ernennung Adolf Hitlers als Reichskanzler (30.1.1933). Die darauf folgende Reichstagsbrandverordnung (28.2.1933) und das Ermächtigungsgesetz (24.3.1933) schafften die gesetzliche Grundlage für die Herrschaft der Nationalsozialisten.
Schritt für Schritt nutzte man diese gesetzgebende Macht um den eigenen Antisemitismus zu einem staatlichen zu machen. Bereits ab 1933 wurde Jüdinnen der Zugang zu bestimmten Berufsfeldern verwehrt, sie wurden aus verschiedenen Feldern des öffentlichen Lebens, wie zum Beispiel Ehrenämtern, verdrängt. 1935 wurden ihnen mit dem „Reichsbürgergesetz“ schließlich die politischen Rechte aberkannt. Gleichzeitig wurden durch das „Blutschutzgesetz“ sogenannte „Mischehen“ zwischen Jüdinnen und Nicht-Jüdinnen verboten. Um zu beweisen, dass man nicht jüdisch war, musste man den sogenannten „Ariernachweis“ erbringen, den Beweis, dass bis zu den Großeltern kein „jüdisches Blut“ in der Familie existierte.
Als nächsten Wendepunkt muss man die „Reichspogromnacht“ (9./10.11.1938) nennen. Gebilligt von Hitlers Regierung kam es zu zahlreichen Übergriffen, auf jüdische Geschäfte, auf Synagogen, auf Wohnhäuser von Jüdinnen. Es wurden ca. 35 000 Juden verhaftet und in schon seit 1933 bestehende sogenannten „Konzentrationslagern“ inhaftiert.
Diese Konzentrationslager dienten der Zusammenpferchung, der Nutzung der Arbeitskraft der Gefangenen und schließlich auch in mehreren Lagern in den besetzten polnischen Gebieten der industriellen Massenvernichtung von sechs Millionen Jüdinnen.

Das System der Nationalsozialistinnen baute dabei vor allem auf der Zustimmung der breiten Masse auf. Wer Teil der „deutschen Volksgemeinschaft“ war, wurde eingebunden und mit Propaganda geködert. Widerstand war häufig kein Thema, man war nicht betroffen, litt selber nicht. Dennoch gab es auch aus der breiten Masse immer wieder vereinzelten Widerstand, mal offen und politisch, im Kampf gegen das faschistische System der Nazis, mal von militärischer Seite. Auch gab es immer wieder Menschen, die, auch unter Gefahr für sich selbst, versuchten Jüdinnen zu retten, ihnen Hilfestellung bei der Flucht zu leisten oder sie selbst versteckten. Genaue Zahlen sind hier nur schwer zu benennen, viel wurde nicht dokumentiert, oftmals scheiterten sie und Rettende sowie Hilfesuchende wurden ermordet. Wolfgang Benz spricht von 10 000 im Untergrund lebenden Jüdinnen. Jüdinnen selber haben ebenfalls Widerstand geleistet, als Partisaninnen, in Ghettos ebenso wie in den Lagern, aber auch ohne Waffen.

3.2 Adolf Eichmann
Als einer der bekanntesten Trägerinnen des Systems gilt Adolf Eichmann. 1934 begann seine Karriere beim Sicherheitsdienst-Hauptamt, er war dabei in der Abteilung „Gegnererforschung und -bekämpfung“ zunächst zuständig für die „Freimaurerei“, bis er nach fünf Monaten zur Arbeit über und gegen Jüdinnen wechselte. In der abteilungsinternen Untergliederung war er dabei für „Zionistinnen“ zuständig.
Die Nationalsozialistinnen nutzten dabei anfangs die zionistische Idee um einer Lösung der „Judenfrage“ näher zu kommen und forcierten dabei die Auswanderung von Jüdinnen. Dabei war Eichmanns Abteilung für das Erstellen von Informationsmaterial für interne Schulungen zuständig, sowie für den Kontakt und das Anwerben von V-Menschen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 wurden Eichmann und ein Kollege nach Wien geschickt, um Dokumente bei jüdischen Organisationen und wichtigen Privatpersonen zu beschlagnahmen. Nach der Abreise seines Kollegen wurde dann schließlich Eichmann die Führung des Referats in Österreich übertragen, er überwachte und reorganisierte jüdische Organisationen und verhörte jüdische Inhaftierte.
Hier konnte Eichmann erstmals selber Initiative zeigen. Nachdem sich immer mehr Jüdinnen in Wien an die dortige Kultusgemeinde wendeten und um Hilfe zur Auswanderung baten, organisierte er auf Vorschlag der dortigen Funktionäre die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“. Laut Hans Safrian zeigte diese Arbeit Eichmanns „die vor allem der eigenen Karriere förderliche Vorgangsweise Eichmanns (…): (…) Eichmann hatte nichts ‚erfunden‘, sondern lediglich vorgefundene Anregungen aufgenommen und, vielleicht etwas modifiziert, höheren Stellen weitergereicht; intern gab er sie als sein Werk aus und protzte bald mit den Zahlen der Vertriebenen“. Tatsächlich wurde das „Wiener Modell“ schließlich auch im „Altreich“ übernommen und als eine weitere „Zentralstelle“ im „Protektorat“ Böhmen und Mähren eingerichtet werden sollte, wurde hierfür Eichmann beauftragt. In dieser Funktion organisierte er schließlich im Oktober 1939 die ersten Massendeportationen, unter dem Deckmantel einer „Aussiedelung“ wurden ca. 2500 Menschen nach Nisko (Polen) deportiert, bis das Projekt „wegen Widerstandes der damals russischen Partner gegen die Austreibungen, wegen Ansiedlungsplänen in Warthegau und Vorbereitung des Kriegs gegen Frankreich“ eingestellt wurde.
Trotz des Scheiterns des „Nisko-Plans“ wurde Eichmann bei der Gründung des „Reichssicherheitshauptamtes“, nach der Verschmelzung des Sicherheitsdienstes der SS mit der staatlichen Sicherheitspolizei, zum Leiter des Referats IV D 4 „Räumungsangelegenheiten“.
Nach dem Entschluss der Nationalsozialistinnen zur „Endlösung“ der „Judenfrage“ und zur industriellen Massenvernichtung und nach der Wannseekonferenz am 20.1.1942 erließ Eichmann „Richtlinien zur technischen Durchführung der Evakuierung von Juden in das Generalgouvernement“. Innerhalb seines Referats wurden die Deportationen vorbereitet, gerade auch aus den besetzten Ländern. Eichmann selbst war dazu in Verhandlungen mit den vor Ort eingesetzten „Judenräten“, die gezwungen waren innerhalb ihrer Gemeinden die Deportationen vorzubereiten.

Eichmann war als nicht besonders guter Schüler ohne Abschluss geblieben. Er war erst zwei Jahre in der Verkaufsabteilung der Oberösterreichischen Elektrobau AG untergekommen, ehe er durch die Beziehungen der Verwandten seiner Stiefmutter 1927 an eine Anstellung bei der Vacuum Oil Company AG kam. Dass dieser Verwandte Jude war, war für ihn immer ein Argument um zu erklären, warum er kein Antisemit geworden wäre. 1932 trat Eichmann schließlich in die österreichische NSDAP und in die SS ein. Hannah Arendt erklärt in ihrer Charakterisierung Eichmanns, dass dieser „sich immer schon, lange vor seinem Eintritt in die NSDAP und SS, nur in Bünden oder Vereinen wohl gefühlt“ hatte. Weiterhin erklärt sie: „Aus einer bedeutungs- und sinnlosen Allerweltsexistenz hatte ihn der Wind der Zeit ins Zentrum der ‚Geschichte‘ geweht, wie er es verstand, nämlich in die ‚Bewegung‘, die niemals stillstand und in der jemand wie er – eine gescheiterte Existenz in den Augen der Gesellschaft, seiner Familie und deshalb auch in seinen Augen – noch einmal von vorne anfangen und schließlich es doch noch zu etwas bringen konnte“.
Während der gesamten Zeit im Dienste des Regimes war Eichmann dabei immer ein „gesetzestreuer Bürger“ gewesen. Er folgte seinen Befehlen in vorauseilendem Gehorsam, ohne Rücksicht auf Verluste. Laut Arendt ließ Eichmann selbst „keinen Zweifel daran aufkommen, daß (sic!) er seinen eigenen Vater getötet hätte, wenn es ihm befohlen worden wäre“. Dabei war jedoch Befehl eben nicht nur Befehl – in der Endphase des Reiches, als Himmler die „Endlösung“ für beendet erklärte und die „Evakuierung“ der ungarischen Jüdinnen abbrechen wollte, widersprach Eichmann und wollte um eine Bestätigung der Befehle durch Hitler bitten. Für ihn war Hitlers Wort Gesetz und dieses galt es zu befolgen, dabei war egal, wie diese Befehle lauteten, auch im Nachhinein. Hannah Arendt zitiert Eichmann dazu mit der Aussage „‘Reue ist etwas für kleine Kinder.‘ (sic!)“.

4. Vergleich
Vor einem Vergleich der beiden Charaktere Umbridge und Eichmann, steht zunächst die Frage, inwieweit die Ideologien, auf denen die Systeme der Diskriminierung jeweils beruhen, vergleichbar sind.

4.1 Die Ideologien
Betrachtet man das System Antisemitismus, so stellt man fest, dass der Antisemitismus mit einer unterkomplexen Gesellschaftskritik verwoben ist, mit einer „Sündenbock“-Mentalität und einem unweigerlich radikalen, unvermeidbaren Endergebnis, der Gipfelung in der Katastrophe. Wer dabei Antisemitismus auf eine Form der rassistischen Diskriminierung herunter bricht, wird diesem nicht gerecht, handelt es sich doch bei Antisemitismus um ein allumfassendes Welterklärungsmodell. Der Hass der Todesserinnen auf Muggel und Muggelgeborene hingegen, beruht rein auf rassistischen Vorurteilen. Dennoch merkt man stark den von Rowling gewollten Versuch der Anlehnung. Gerade im Vokabular lassen sich Ähnlichkeiten feststellen. So erinnert der Gebrauch von Worten wie „Säuberung“, wenn es um die Ermordung muggelgeborener Hogwartsschülerinnen geht genauso an NS-Terminologie, wie etwa die Abstufung vom „Reinblut“ zum „Halbblut“ zum „Schlammblut“ an die rassistischen Unterteilungen der Nationalsozialistinnen der Jüdinnen durch die Nürnberger Gesetze erinnert. Ebenso ähnelt sich die Herabstufung von Muggeln als tierähnlich, die es jedoch gleichzeitig geschafft haben, die ihnen angeblich überlegenen Hexen „in den Untergrund“ zu treiben.
Die vom Ministerium herausgegebene Broschüre mit dem zerstörerischen Unkraut und die Argumentation des „Diebstahls“ von Magie sind vereinzelte Beispiele dafür, wie der Hass auf Muggelgeborene tatsächlich auch antisemitische Züge erhält. Hierbei weicht Rowling von der sonst rein rassistisch begründeten Verfolgung ab und beschreibt die Diskriminierungsform ebenfalls als Teil eines komplexen Erklärungsmusters. Die meiste Zeit jedoch, folgt die Argumentation eher der eines Rassismus, als der von Antisemitismus.
Trotzdem ähnelt gerade auch die staatliche Verfolgung in den Büchern sehr der Verfolgung im NS-Staat, zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Der Zwang sich registrieren zu lassen, aufgrund seines „Blutstatus“, sowie die Einflussnahme auf die Bevölkerung durch einerseits mediale Propaganda und andererseits durch die Einmischung in die schulische Bildung findet sich sowohl bei Harry Potter, als auch im NS-Staat. Die Grenze dieser Ähnlichkeiten ist dabei jedoch klar. Werden zwar Muggelgeborene verhaftet und nach Askaban gebracht, handelt es sich hierbei doch um ein Gefängnis. Auch wenn Rowling immer wieder deutlich macht, dass die Bedingungen in Askaban häufig dazu führten, dass die Insassinnen psychisch zusammenbrachen, und es aufgrund dessen zu Todesfällen kam, wurden die Gefangenen weder dazu gezwungen, sich zu Tode zu arbeiten, noch wurden sie industriell vernichtet. Dabei ist jedoch auch der zeitliche Rahmen zu bedenken. Das Regime unter Voldemort wurde innerhalb eines Jahres gestürzt, hier ist also ein tatsächlicher Vergleich kaum möglich, da Rowling die Lesenden über Voldemorts endgültige Pläne im Unklaren lässt. Ob Voldemort und seine Anhängerinnen eine komplette Vernichtung aller Muggel und Muggelgeborenen anstrebten, oder sich mit einer allumfassenden Unterdrückung und Entrechtung, mit einem bewussten Ausliefern dieser Menschen an die Willkür der herrschenden „Reinblüterinnen“ zufrieden gegeben hätten, bleibt unklar.
Ein weiterer Vergleichspunkt ist der Widerstand der Gesellschaft. In beiden Systemen haben Menschen, die sich gegen die Diskriminierung wehren oder gegen das Regime und das diesem Regime zugrundeliegende Gedankengut kämpfen mit Verfolgung zu rechnen. Diese Verfolgung findet öffentlich statt, um zukünftigen Widerstand zu verhindern und die Verfolgten werden durch Propaganda diskreditiert. Der Unterschied ist jedoch, dass in der Harry-Potter-Welt die Widerstandsbewegung nicht nur mit Dumbledore und Harry zwei bekannte, einende Führungsfiguren hat und durch eine ausgeprägte Organisationsstruktur aktiver und geschlossener auftreten kann und letztendlich auch, dass sie erfolgreich ist. Dabei spielen schlussendlich auch gerade die als minderwertig herabgestuften magischen Geschöpfe und Muggelgeborene eine entscheidende Rolle, die aktiver Teil des Widerstandes sind.
Dies steht in mehr als einer Hinsicht im Gegensatz zur nationalsozialistischen Gesellschaft, in der das System durch die Mehrheit der Gesellschaft getragen wurde und die Diktatur und das Lagersystem erst durch die Alliierten beendet werden konnte, sich jedoch innerhalb des deutschen Reiches kein erfolgreicher, gemeinsamer, gesamtgesellschaftlich organisierter Widerstand durchsetzen konnte. Auch die perfide Taktik der Nationalsozialistinnen die Opfer selbst in ihr Verfolgungs- und Vernichtungssystem einzubinden, sei es in den „Judenräten“, als „Funktionshäftlinge“ oder in den „Sonderkommandos“, wird von Rowling nicht aufgenommen.

4.2 Rädchen im System?
Wendet man sich dem Charakter Umbridge und der Person Eichmann zu und betrachtet ihren Werdegang, so findet man auch hier Ähnlichkeiten und Unterschiede.
Ihre tatsächliche Arbeit im Rahmen ihrer Möglichkeiten des diktatorischen Staats versuchen sie in vorauseilendem Gehorsam zu erfüllen. Umbridge hat dabei einen größeren Spielraum, so entscheidet sie selbst willkürlich, wer verurteilt und dann in Askaban inhaftiert wird. Eichmann übernimmt hingegen eine insgesamt mehr organisatorische Aufgabe, ohne selbst Urteile zu sprechen, sondern indem er die Infrastruktur für die Vollstreckung von Urteilen zur Verfügung stellte. Doch auch er ist bemüht seine Aufgabe gut zu erfüllen und die Erwartungen in ihn sogar zu übertreffen, wie zum Beispiel bei der beschriebenen Aneignung der Idee der „Zentralsstelle für jüdische Auswanderung“ in Wien.
Dieser vorauseilende Gehorsam und der Wunsch nach beruflicher Anerkennung und Außenwahrnehmung hilft sowohl Eichmann, als auch Umbridge sich als Teil des jeweiligen Systems zu etablieren. Während Umbridge keine Todesserin ist, war Eichmann bereits ab 1932 Mitglied der SS und NSDAP. Dennoch scheint Umbridge insgesamt charakterlich besser in ein System der staatlichen Willkür und Verfolgung zu passen, als Eichmann. Dies wird besonders deutlich, wenn man Eichmanns Abscheu vor direkter Gewalt betrachtet, im Gegensatz zu Umbridges deutlich dargestelltem Sadismus.
Diese unterschiedlichen, charakterlichen Voraussetzungen zeigen sich auch in dem fehlenden leidenschaftlichen Hass Eichmanns auf Jüdinnen im Gegensatz zu Umbridges Hass auf Muggel und magische Geschöpfe. Umbridges Abgrenzung beginnt schon auf persönlicher Ebene innerhalb ihrer Familie, während sich Eichmann erst über seine Arbeit mit Jüdinnen beschäftigte und dabei explizit mit dem Zionismus, den er als natürlichen Verbündeten ansah beim Versuch das deutsche Reich „judenfrei“ zu bekommen. Er behauptet von sich selber nichts gegen Jüdinnen zu haben, aber erfüllt dennoch seine systemische Rolle bei der Ermordung von Millionen.
Während Eichmann sich also dem System anpasst, kann Umbridge im System aufgehen. Ihre sadistische Art macht sie zur Täterin, die das bestehende bürokratische System nutzt und über dessen Grenzen hinaus willkürlich ihren Charakter auslebt.

5. Fazit
Auch wenn man die bewusste Anlehnung, die J. K. Rowling vorgenommen hat, in Details wiederfinden kann, kann das in Harry Potter dargestellte System nicht als eine Allegorie auf den Nationalsozialismus aufgefasst werden, ebenso wenig, wie Umbridge und Eichmann als fiktive und reale Gegenstücke zueinander gelesen werden können.
Rowlings konkrete Intentionen bleiben zwar unklar, aber dennoch sollte deutlich geworden sein, dass in einem immerhin als Kinderbuch gedachten literarisch-fantastischen Werk kein solch umfassendes Welterklärungsmodell geschaffen werden kann, wie es der Antisemitismus ist. Im Gegenteil, würde die Ideologie Voldemorts und seiner Todesserinnen tatsächlich herangezogen werden, um den realen Antisemitismus zu verstehen, wäre ein falsches Verständnis unausweichlich. Auch sind insbesondere Fantasyromane auf die erlösende und schlussendlich erfolgreiche Rolle der Heldinnen angewiesen, etwas, was die Realität nie in diesem Maße bieten kann.
Dennoch ist der Vergleich insbesondere von Umbridge und Eichmann dahingehend so interessant, dass beide in ihren unterdrückerischen Systemen die persönliche Erfüllung finden, trotz ihrer charakterlichen Unterschiede. So schließt sich wieder der Kreis zu Hannah Arendt und ihrer Theorie der „Banalität des Bösen“, die sich auch in dieser Analyse wiederfinden kann: „beunruhigend“ ist, dass ein menschengemachtes System entstehen konnte, in dem sich Sadistinnen und „normale“ Menschen, Nicht-Monster wie Eichmann, zusammenschlossen um Ideologie, Herrschaftsanspruch und die eigene imaginierte Überlegenheit durchzusetzen, egal mit welchen Mitteln.

6. Literatur- und Quellenverzeichnis:
Quellen:
Rowling, J. K.: Harry Potter und der Stein der Weisen, Carlsen Verlag, Hamburg 1998.
Rowling, J. K.: Harry Potter und die Kammer des Schreckens, Carlsen Verlag, Hamburg 1999.
Rowling, J. K.: Harry Potter und der Gefangene von Askaban, Carlsen Verlag, Hamburg 1999.
Rowling, J. K.: Harry Potter und der Feuerkelch, Carlsen Verlag, Hamburg 2000.
Rowling, J. K.: Harry Potter und der Orden des Phönix, Carlsen Verlag, Hamburg 2003.
Rowling, J. K.: Harry Potter und der Halbblutprinz, Carlsen Verlag, Hamburg 2005.
Rowling, J. K.: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Carlsen Verlag, Hamburg 2007.

Literatur:
Adorno, Theodor W.: Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit, Frankfurt a.M. 1959.
Aleff, Eberhard: Das Dritte Reich, Fackelträger-Verlag, Hannover 1970.
Arendt, Hannah: Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht von der Banalität des Bösen, Piper Verlag, München1964.
Bein, Alexander: Der moderne Antisemitismus und seine Bedeutung für die Judenfrage, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 6. Jahrg., 4. H. (Okt., 1958).
Benz, Wolfgang/Bergmann, Werner (Hrsg.): Vorurteil und Völkermord – Entwicklungslinien des Antisemitismus, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1997.
Brenner, Michael: Geschichte des Zionismus, Verlag C.H. Beck oHG, München 2002.
Dohm, Christian Wilhelm von: Über die bürgerliche Verbesserung der Juden, Berlin 1781.
Ginzel, Günther B. (Hrsg.): Antisemitismus – Erscheinungsformen der Judenfeindschaft gestern und heute, Verlag Wissenschaft und Politik, Bielefeld 1991.
Herzl, Theodor: Der Judenstaat, Jüdischer Verlag, Berlin 1920.
Rosenkranz, Herbert: Verfolgung und Selbstbehauptung, Herold Verlag, Wien 1978.
Rürup, Reinhard: Emanzipation und Antisemitismus, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1975.
Safrian, Hans: Die Eichmann-Männer, Europa Verlag, Wien 1993.
Smelser, Ronald/Syring, Enrico (Hrsg.): Die SS: Elite unter dem Totenkopf, Ferdinand Schöningh, Paderborn 2000.
Strauss, Herbert/Kampe Norbert (Hrsg.): Antisemitismus – Von der Judenfeindschaft zum Holocaust, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1984.
Zimmermann, Moshe: Deutsch-jüdische Vergangenheit: Der Judenhaß als Herausforderung, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2005.

Internet:
Benz, Wolfgang: Verweigerung im Alltag und Widerstand im Krieg, 2005. [Zugriff am 25.02.2018]
Dossier: Shoah und Antisemitismus, 2005. [Zugriff am 25.02.2018]
König, Julia: Judenfeindschaft von der Antike bis zur Neuzeit, 2006. [Zugriff am 25.02.2018]
Leszkiewicz, Anna: The Harry Potter generation: why The Boy Who Lived lives on, 30. Juni 2017. [Zugriff am 25.02.2018]
Löw, Andrea: Widerstand und Selbstbehauptung von Juden im Nationalsozialismus, 2014. [21.01.2018]
Pottermore: Dolores Umbridge – By J.K. Rowling. [Zugriff am 25.02.2018]
The Leaky Cauldron: J. K. Rowling at Carnegie Hall Reveals Dumbledore is Gay; Neville Marries Hannah Abbott, and Much More, 20.10.2007. [Zugriff am 25.02.2018]
Yad Vashem: Über die Gerechten. [Zugriff am 25.02.2018]

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#EineArmlänge – Eine Presseschau http://dontpanicdora.blogsport.de/2016/01/06/einearmlaenge/ http://dontpanicdora.blogsport.de/2016/01/06/einearmlaenge/#comments Wed, 06 Jan 2016 16:47:54 +0000 Dora Feminismus http://dontpanicdora.blogsport.de/2016/01/06/einearmlaenge/ Was mit zahlreichen Übergriffen auf Frauen an Silvester in Köln begonnen hatte, schaukelte sich schnell zu einer grundsätzlicheren Debatte um den Umgang mit sexualisierten Angriffen hoch. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker empfahl in einer Pressekonferenz auf Nachfrage und sichtlich überfordert, dass es für Frauen eine Möglichkeit wäre „eine gewisse Distanz zu halten, die mehr als eine Armlänge betrifft“.
Der Absurdität dieser Aussage angemessen entwickelte sich auf Twitter schnell der Hashtag #EineArmlänge unter dem zahlreiche Frauen ihrer Wut Luft machten, dass in der gesellschaftlichen Debatte in der Regel erwartet wird, dass sie sich vor Übergriffen schützen, nicht dass Täter nicht übergriffig werden. Dabei stehen Reker und ihre vorgeschlagenen Maßnahmen (u.a. z.B. auch, dass Frauen sich nur in Gruppen bewegen sollen) nur symptomatisch für ein Phänomen unserer Gesellschaft, das sich unter dem Begriff „victim blaming“ fassen lässt. Die Schuld wird bei den Opfern gesucht, eine Frau ist selber schuld, sei es nun, weil ihr Rock zu kurz und damit zu einladend war, weil sie doch schon mit dem Täter geflirtet hatte oder eben, weil sie nicht gut genug auf die Armlänge Abstand geachtet hatte. Dass die meisten sexuellen Übergriffe in Beziehungen passieren, wird bei solchen Argumentationsmustern zusätzlich unterschlagen.
Spätestens seit #Aufschrei sind trendende Twitter-Hashtags auch relevant genug für Medien außerhalb des Netzwerks und mittlerweile kann man online in fast jeder Zeitung über #EineArmlänge lesen. Ein bisschen was zum Hintergrund und der ausschlaggebenden Pressekonferenz, dann wird, damit auch Nicht-Twitterer mitkriegen was da passiert, das ganze noch mit unterschiedlichen Tweets illustriert und fertig ist der Artikel. Traurigerweise scheint dabei den meisten Journalist*innen nicht aufzufallen, wie sehr sie die Strukturen, die auch mit #EineArmlänge kritisiert werden, wieder reproduzieren.

Einige Beispiele für die Frauenquote* bei den ausgesuchten Tweets in ein paar willkürlich herausgepickten Artikeln:
Bento: 8 von 18
Spiegel Online: 2 von 5
Hamburger MoPo: 2 von 8
Berliner Zeitung: 2 von 9
Berliner Kurier: 2 von 12
Zeit: 0 von 2
Die Welt: 0 von 5

Wie man auf die Idee kommt, dass es ausgerechnet beim Thema sexuelle Übergriffe sinnvoll ist, die Meinung von Männern zu präsentieren, ist mir schleierhaft. So sollte man doch meinen, dass gerade die mehrheitlich Betroffenen von sexueller Gewalt im Internet und auf Twitter im Zusammenhang mit einem Hashtag die Chance hätten gehört zu werden. Leider zeigen sich hier die patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft mehr als deutlich – und als Aushängeschilder für einen Hashtag werden Menschen gewählt, die in der Regel nicht selbst von dem angekreideten Problem betroffen sind.
Eine besondere Erwähnung hat sich übrigens der Stern verdient: in ihrem Artikel zu #EineArmlänge zitieren sie nicht nur bei 11 Tweets keine einzige Frau, was ja an sich bei diesem Hashtag eine Leistung ist – der Artikel liest sich auch noch so, als würde der Hashtag auf Jan Böhmermann zurückgehen. Dass #EineArmlänge bereits eineinhalb Stunden prima ohne Böhmermann lief, bevor der sich einschaltete, getragen von einer ganzen Menge Frauen, scheint da wohl irrelevant zu sein. Ausgerechnet Böhmermann als feministischen Kämpfer zu präsentieren, ist nach zahlreichen sexistischen Ausfällen von seiner Seite (einige Beispiele sind hier mit aufgeführt) besonders widerlich.

Nun werden mir natürlich alle erklären wollen, dass Tweets für Artikel natürlich nach Reichweite und Popularität ausgewählt werden. Das mag einen Heiko Maas Tweet, einen Sascha Lobo Tweet erklären, ja. Eine ausreichende Begründung für Zahlen wie 0 von 11 ist das aber wohl definitiv nicht. Damit ihr, liebe Journalist*innen, die ihr noch über den Hashtag schreiben wollt, euch nicht mal die Mühe machen müsst, habe ich selber ein paar Tweets gesammelt, die sich hervorragend eignen sollten, dabei habe ich verschiedene Kriterien mit einfließen lassen, z.B. haben die meisten dieser Nutzerinnen über 2500 Follower oder Tweets mit mehr als 100 Retweets und/oder Favs:

Es gibt also keine Ausreden.

Und liebe feministischen Männer, die ihr da diesen Hashtag mitgefüllt habt, vielleicht lasst ihr euch das hier ja nochmal durch den Kopf gehen:

*Meine Rechnung ist natürlich schwierig, weil ich bei Nutzern, die ich nicht aufgrund ihres Namens oder Fotos innerhalb des binären Geschlechtersystems als „Frau“ zuordnen konnte, nicht mitgezählt habe. Da jedoch die Journalist*innen wohl ebenso maximal dieses Wissen haben dürften, spielt das für meine Kritik keine weitere Rolle.

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http://dontpanicdora.blogsport.de/2016/01/06/einearmlaenge/feed/
JK Rowling und die Gefangenen von Israel?* http://dontpanicdora.blogsport.de/2015/10/27/jk-rowling-und-die-gefangenen-von-israel/ http://dontpanicdora.blogsport.de/2015/10/27/jk-rowling-und-die-gefangenen-von-israel/#comments Tue, 27 Oct 2015 08:59:55 +0000 Dora Antisemitismus Harry Potter http://dontpanicdora.blogsport.de/2015/10/27/jk-rowling-und-die-gefangenen-von-israel/ Im Februar 2015 unterzeichneten rund 700 britische Künstler*innen in einem offenen Brief, dass sie den Nahostkonflikt lösen wollen, indem sie Israel boykottieren. Damit reihen sie sich ein in eine Bewegung, die sich BDS nennt – Boycott, Divestment and Sanctions. Mit ihrem Boykott wollen sie Israel dazu zwingen das „internationale Recht“ zu respektieren und die „kolonialistische Unterdrückung der Palästinenser“ zu beenden. Zum Vorbild genommen haben sie sich dafür Musiker*innen, die einen solchen kulturellen Boykott während der südafrikanischen Apartheid durchführten.
Vergangenen Donnerstag erschien nun ein weiterer offener Brief im Guardian. In diesem erklären rund 150 britische Autor*innen und Künstler*innen, warum sie einen Boykott Israels für falsch halten. Mit dabei: the one and only JK Rowling! Sie gab auch an diesem Montag ein zusätzliches Statement via Twitter heraus, indem sie noch einmal erklärt, warum sie kulturellen Boykott ablehnt. Dabei betont sie einerseits, dass die Falschen von einem Boykott betroffen wären, also nicht die Regierung, sondern die Bevölkerung, und andererseits sieht sie speziell in Kunst und Kultur eine „Kraft für das Gute“, die der Konflikt nötig hätte. Einen Boykott hält sie dagegen für „spalterisch, diskriminierend und kontraproduktiv“.
Man möchte meinen, dass das noch eine sehr zurückhaltende Erklärung ist, ich persönlich hätte mir den Antisemitismus dieser Boykott-Kampagne sehr viel konkreter benannt gewünscht, das Internet sieht das jedoch anders:

Es wird munter mit Vorwürfen herumgeworfen und, dass dabei die Bezeichnung von JKR als Zionistin als Beleidigung genutzt wird, ist noch einigermaßen nett.
Standardmäßig kennt man ja zu diesem Thema die Fraktion der Apartheid- und Ethnische Säuberung-Schreier*innen:

Warum Israel kein Apartheidsstaat ist, kann man übrigens zum Beispiel hier erfahren.

Doch warum die Autorin, neben ihrem scheinbaren Unwissen, so etwas wie diesen Brief unterstützt, haben die findigen Boykott-Liebhaber*innen von „The Electronic Intifada“ (ganz klar Friedenssuchende!) auch schon entdeckt:

Sie ist finanziell von den Juden abhängig! Also über ihren Agenten, dem sein Projekt angeblich von einer Bank gesponsort wird, die auch Siedlungen im Westjordanland finanziert. Wahlweise geht es ihr auch einfach nur um die eigenen Bücherverkäufe. Man möchte am liebsten direkt die Pappmaché-Krake aus dem Keller holen und gegen das jüdische (oder zionistische? Ach egal!) Kapital auf die Straße gehen!
Wie absurd es ist, einer Frau vorzuwerfen aus Geldgierigkeit zu handeln, die von dem Status der Milliardärin zur Millionärin abgestuft wurde, weil sie so viel gespendet hat, ist dabei natürlich egal.

Leider geht es auch noch weiter:

Es ist bekannt, dass JKR die Ideologie der Todesser teilweise an die der Nazis anlehnen wollte. Auch bekannt ist, wie gerne Antisemit*innen sich einer Täter*innen-Opfer-Umkehr bedienen und damit die Shoa zum Argument gegen den Staat Israel machen wollen.
Es kommt also wie es wohl kommen muss in einer guten Internet- und in jeder schlechten Nahostdebatte: der Nazivergleich.

Mal subtiler:

Und in einem langen, ausführlichen Brief auf Facebook, der fast fünftausend Mal geteilt wurde, dann auch ganz direkt:

Bisher hat JKR sich zu all diesen Anfeindungen, bis auf ihre zusätzliche persönliche Erklärung, zurückgehalten. Dabei hat sie in der Auseinandersetzung mit Antisemit*innen schon Erfahrung gesammelt. Im August retweetete sie einen Artikel über den Antisemitismus von Jeremy Corbyn, der mittlerweile neuer Chef der Labour Party ist, und durfte sich auch schon damals an den Reaktionen erfreuen und reagierte souverän:

JKRs erneutes Eintreten gegen Antisemitismus, auch wenn sie es diesmal nicht so deutlich benennen mag, macht jedenfalls mich als Harry Potter Fan sehr glücklich und ich hoffe sehr, dass die Reaktionen sie eher bestärken in Zukunft noch lauter und entschiedener zu kämpfen.
Ich bin mir jedenfalls sicher, dass Dumbledores Army eine israelsolidarische Antifa gewesen wäre, konsequent und immer gegen Ungerechtigkeit, Diskriminierung und krude Ideologien.
Thank you, Jo, dafür verzeihe ich dir fast schon ein oder zwei der Toten!

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* Den Titel habe ich gewissermaßen geklaut. Leider waren die Antisemit*innen mal ganz witzig.

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http://dontpanicdora.blogsport.de/2015/10/27/jk-rowling-und-die-gefangenen-von-israel/feed/
„Es geht allein ums Gewinnen!“ http://dontpanicdora.blogsport.de/2015/10/08/es-geht-allein-ums-gewinnen/ http://dontpanicdora.blogsport.de/2015/10/08/es-geht-allein-ums-gewinnen/#comments Thu, 08 Oct 2015 15:10:44 +0000 Dora I can't relax in Deutschland Harry Potter http://dontpanicdora.blogsport.de/2015/10/08/es-geht-allein-ums-gewinnen/ Letzten Sommer, als im Schatten des nationalistischen Freudentaumels der WM mal wieder von allen Seiten verkündet wurde, wie ungefährlich doch das bisschen Fahneschwenken wäre, und dass man schließlich nur gemeinsam feiert, allen Nationen zusammen, hatte ich plötzlich Ron Weasleys Stimme im Kopf, der Hermine anschreit und erklärt:

»Nein, Blödsinn! Es geht allein ums Gewinnen!« (S. 442)

In einem Essay für ein Uniseminar durfte ich nun darstellen, inwiefern sich die „Party-Patriotismus“-Debatte im Konflikt um das Trimagische Turnier im vierten Teil von Harry Potter wiederfindet, hier veröffentliche ich jetzt einen Teil davon, gekürzt und stellenweise umformuliert.
Nicht behandeln werde ich die andere „Patriotismus“-Debatte in Harry Potter. Die Rivalität zwischen den vier Schulhäusern in Hogwarts kann auch mit einer Form des „Patriotismus“ verglichen werden, jedoch soll es hier um die positive Identifikation mit einem größeren Kollektiv, der Schule, gehen. Im vierten Band tritt für diese positive Identifikation mit der gesamten Schule der Kampf zwischen den Schulhäusern in den Hintergrund, der reguläre Quidditch-Betrieb entfällt, zugunsten des „Trimagischen Turniers“, ähnlich der grausamen Länderspielpausen der Bundesliga. Dabei steht dieses Schulkollektiv stellvertretend für ein Nationenkollektiv. Das von Rowling gedachte Kollektiv ist dabei jedoch eines, dass auf gemeinsamen Werten, beziehungsweise der gleichen Schulangehörigkeit beruht. Diese ist rein theoretisch auch wechselbar. Im Gegensatz dazu steht die Vorstellung eines „deutschen“ Kollektiv, die Volksgemeinschaft, der man nach Geburt angehört oder nicht.

Rowling führt neben der britischen Schule „Hogwarts“ noch die französischsprachige Schule „Beauxbaton“ und „Durmstrang“ ein, das „irgendwo im hohen Norden“ (S. 175) vermutet wird. Verbunden mit diesen beiden nicht-britischen Kollektiven werden bestimmte Stereotype, wie zum Beispiel bestimme Speisen und Akzente, und auch Vorurteile:

»Also denkt er, Durmstrang hätte besser zu ihm gepasst«, sagte sie (Hermine, Anm. d. Verf.) wütend. (…) »Durmstrang ist auch eine Zaubererschule?«, fragte Harry. »Ja«, sagte Hermine naserümpfend, »und sie hat einen fürchterlichen Ruf. Dem Handbuch der europäischen Magierausbildung zufolge legen sie dort großen Wert auf die dunklen Künste.« (S. 174)

Weiterhin erklärt Hermine:

»Es gibt seit jeher viel Rivalität zwischen den Zaubererschulen. Durmstrang und Beauxbatons ziehen es vor, sich zu verbergen, damit niemand ihre Geheimnisse stehlen kann«, sagte Hermine, als sei dies das Natürlichste von der Welt. (S. 175)

Dass Hermine, die selbst erst drei Jahre zuvor von der Hexen- und Zaubererwelt erfahren hatte, hier eine angebliche „Natürlichkeit“ der Feindschaft zwischen den Schulen betont, erscheint skurril, zeugt jedoch auch von einem gewissen Integrationsmoment, der in der Identifikation mit einem Kollektiv stecken kann, um gesellschaftliche Schichten zu verbinden.

Der zentrale Handlungsstrang dreht sich nun um das Trimagische Turnier:

»Das Trimagische Turnier fand erstmals vor etwa siebenhundert Jahren statt, als freundschaftlicher Wettstreit zwischen den drei größten europäischen Zaubererschulen – Hogwarts, Beauxbatons und Durmstrang. Jede Schule wählte einen Champion aus, der sie vertrat, und diese drei mussten im Wettbewerb drei magische Aufgaben lösen. Die Schulen wechselten sich alle fünf Jahre als Gastgeber des Turniers ab, und alle fanden, dies sei der beste Weg, persönliche Bande zwischen jungen Hexen und Magiern verschiedener Länder zu knüpfen.« (S. 196f.)

Die gewünschte Einstellung der Schüler*innen zu diesem Turnier macht Albus Dumbledore, der Schulleiter, dabei in seiner Rede am Anfang des Schuljahres deutlich:

»Ich weiß, dass ihr unsere ausländischen Gäste mit größter Herzlichkeit empfangen und den Hogwarts-Champion mit Leib und Seele unterstützen werdet.« (S. 198f.)

Dumbledore fordert also von seinen Schüler*innen einen „fröhlichen Patriotismus“ ein, bei dem „die Welt zu Gast bei Freunden“ ist, also eine Abgrenzung nur über den positiven Bezug auf die eigene Gruppe, ohne Abwertung der anderen.

Der Höhepunkt der Debatte findet schließlich am „Weihnachtsball“ statt. Hermine Granger hat sich mit dem Champion aus Durmstrang, Viktor Krum, verabredet und damit die Eifersucht von Ron geweckt, was zu einer Diskussion über den eigentlichen Sinn des Turniers führt:

»Er ist aus Durmstrang!«, zischte Ron. »Er kämpft gegen Harry! Gegen Hogwarts! Du – du – « Ron suchte offenbar nach Worten, die stark genug waren für Hermines Verbrechen, »du verbrüderst dich mit dem Feind, das ist es!« (…) »Ich würde ihm nie und nimmer helfen, das Eierrätsel zu lösen!“, sagte Hermine empört. »Niemals. Wie kannst du nur so etwas sagen – ich will, dass Harry das Turnier gewinnt. Das weißt du doch, Harry, oder?« »Komische Art, das zu zeigen«, höhnte Ron. »Der Sinn dieses ganzen Turniers soll es doch sein, Zauberer aus anderen Ländern kennen zu lernen und Freundschaften zu schließen!«, sagte Hermine schrill. »Nein, Blödsinn!«, rief Ron. »Es geht allein ums Gewinnen!« (S.441f.)

Auch Rons großer Bruder Percy kommentiert auf dem Weihnachtsball das darauffolgende Zusammentreffen von Ron und Krum:

»Hast dich mit Viktor Krum angefreundet, Ron?« Percy war herbeigewuselt, rieb sich die Hände und machte eine ungemein wichtige Miene. »Ganz exzellent! Genau darum geht es nämlich – internationale magische Zusammenarbeit!« (S. 443)

Die unterschiedlichen Standpunkte treffen hier aufeinander. Auf der einen Seite wird von Hermine und Percy die Turniersituation, ganz im Sinne von Dumbledore und seinem Wunsch nach einem „fröhlichen Patriotismus“, als Möglichkeit der internationalen Verständigung interpretiert und propagiert.
Auf der anderen Seite steht Ron, der dies als Scheinargument enttarnt, das die Konkurrenzsituation und die daraus folgende positive Selbstbestätigung über das eigene Kollektiv verschleiert. Dabei sieht Ron diese Identifikation mit, und Selbstbestätigung über das Kollektiv „Hogwarts“ nicht als etwas schlechtes, im Gegenteil. Er nimmt eine Rolle ein, in der er Hermine „Verrat“ an ihrem eigenen Kollektiv vorwirft, ähnlich des „Verrats“ derjenigen, die keinen Bock auf Fahnenmeer und Fanmeile haben am Kollektiv der Bundesrepublik.
Während die einen keine Nationalfarben tragen wollen, hat sich Hermine entschieden Krum anstelle von Ron zum Weihnachtsball zu begleiten. Hermine wird von Rita Kimmkorn im Tagespropheten öffentlich an den Pranger gestellt für ein angebliches zu ausschweifendes Liebesleben, inklusive anschließender Hate-Eulen von den eifrigen Leser*innen – und wer gegen Deutschland bei der WM ist oder einen „antideutschen“ Tweet abschickt, bekommt Hasskommentare und Morddrohungen. Das Kollektiv bestraft die Abweichler*innen.

Im Interview mit „The European“ erklärte Dagmar Schediwy:

Der Partypatriotismus ist eine Form des Nationalismus. Das konnte man bei der diesjährigen Fußball-WM zum Beispiel gut am „Gaucho-Gate“ sehen. Bei früheren Fußballevents an Übergriffen gegen Einrichtungen der jeweiligen Nation, die Deutschland aus dem Turnier katapultierte. Das war kein heiterer, aufgeklärter Patriotismus. Spricht man diese Dinge an, werden sie mit Verweis auf Fußballbräuche relativiert. Das Wir-gegen-die-anderen-Schema wird beim internationalen Fußballevent institutionalisiert.

Dieses Wir-gegen-die-anderen-Schema findet man auch beim Trimagischen Turnier institutionalisiert, die Debatte ähnelt sich erstaunlich.
Für die Bewertung des Schemas durch die Lesenden ist nun auch die Wertung der Autorin entscheidend. Joanne K. Rowling fühlt sich selber „Schottland vollkommen zugehörig“ und ist gleichzeitig bekannt für ihr politisches und gesellschaftliches Engagement. Besonders seit dem sie 2009 auf Twitter aktiv geworden ist, nutzt sie ihre Reichweite von 5,6 Millionen Followern um auf soziale Misstände hinzuweisen und für politische Arbeit gegen Diskriminierung. In der Studie zu „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ der Universitäten Bielefeld und Marburg fanden die Forschenden unter anderem auch heraus, dass es bei einem Patriotismus mit einer starken Befürwortung demokratischer Strukturen zu weniger Fremdenfeindlichkeit komme, zumindest solange die Identifikation mit dem Land keine so wichtige Rolle spielt, trotzdem immer unter Vorbehalt, dass diese Stimmung kippen kann. Dass Rowling sich zum Beispiel in der Debatte um das Referendum in Schottland gegen die nationalistischere Idee der Unabhängigkeit ausgesprochen hat, zeigt wie gut sie in diese erdachte Kategorie passt. Ihre eigenen Werte stehen über ihrer Liebe zu dem Land. Das ist schließlich auch die Botschaft, die Rowling am Ende in ihrem Buch verkündet, trotz der vorherigen Diskussion:

»Ziel des Trimagischen Turniers war es, das gegenseitige Verständnis unter den Magiern verschiedener Länder zu fördern. Im Lichte dessen, was geschehen ist – der Rückkehr Lord Voldemorts – sind partnerschaftliche Bande wichtiger denn je. (…) Lord Voldemort besitzt ein großes Talent, Zwietracht und Feindseligkeit zu verbreiten. Dem können wir nur entgegentreten, wenn wir ein nicht minder starkes Band der Freundschaft und des Vertrauens knüpfen. Unterschiede in Lebensweise und Sprache werden uns nicht im Geringsten stören, wenn unsere Ziele die gleichen sind und wir den anderen mit offenen Herzen begegnen.« (S. 755f.)

Rowling appelliert also letztendlich durch den Charakter Albus Dumbledore, daran, dass Nationenunterschiede irrelevant sind und keine Rolle spielen sollten.

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Artikelserie „Erinnern und Gedenken“ http://dontpanicdora.blogsport.de/2015/04/13/artikelserie-erinnern-und-gedenken/ http://dontpanicdora.blogsport.de/2015/04/13/artikelserie-erinnern-und-gedenken/#comments Mon, 13 Apr 2015 13:38:17 +0000 Dora Antifaschismus Antisemitismus http://dontpanicdora.blogsport.de/2015/04/13/artikelserie-erinnern-und-gedenken/ Ich habe zwar eine Weile schon nicht mehr gebloggt (allerdings habe ich eine Menge noch nicht komplett ausgereifter Ideen ;)), von mir gibt es jedoch trotzdem was zu lesen:
Für den Spunk, die Mitgliederzeitschrift der Grünen Jugend habe ich zwei Artikel in der Artikelserie „Erinnern und Gedenken“ geschrieben. Die Serie läuft anlässlich des Bündnisses „Gedenken und Erinnern 2015″ in dem die Grüne Jugend gemeinsam mit mehreren anderen Jugendorganisationen (z.B. JuSos, Linksjugend, DGB Jugend, BDKJ,…) eine Fahrt für 1000 Jugendliche nach Krakau und zur Gedenkstätte Auschwitz organisiert. Diese wird im Juni stattfinden, bis dahin läuft auch noch die Artikelserie.
In dem ersten Artikel schreibe ich über Antisemitismus in Deutschland nach 1945. Es geht dabei um Geschichtsumdeutungen, Antisemitismus im Schatten der Shoa, Schlussstrichforderungen und das neu gefundenen Hassobjekt Israel.
Der zweite Artikel behandelt die sogenannten „Wiedergutmachungen“ und die Verhandlungen über diese zwischen der Bundesrepublik (speziell Adenauer) und dem Staat Israel. Dabei versuche ich den Mangel an deutscher Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und die damit einhergehende Problematik zu thematisieren.
Viel Spaß beim Lesen!

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9. November – Die Unfreiheit der Anderen. http://dontpanicdora.blogsport.de/2014/11/10/9-november-die-unfreiheit-der-anderen/ http://dontpanicdora.blogsport.de/2014/11/10/9-november-die-unfreiheit-der-anderen/#comments Sun, 09 Nov 2014 23:24:35 +0000 Dora Antifaschismus Antisemitismus I can't relax in Deutschland http://dontpanicdora.blogsport.de/2014/11/10/9-november-die-unfreiheit-der-anderen/ Der 9. November 1938 gilt allgemein als ein Wendepunkt.
Wurden Jüdinnen und Juden bereits seit Jahren diskriminiert (z.B. wurden die Nürnberger Rassengesetze 1935 beschlossen, in den Köpfen herrschte der Judenhass schon seit ca dem 4. Jahrhundert, als moderner Antisemitismus ab ca. 1870), so waren die Pogrome in diesem November der Auftakt für die weitere systematische Verfolgung von Jüdinnen und Juden, bis hin zum industriellen Massenmord, der Shoah.
Dieser 9. November ist nun 76 Jahre her. Geblieben ist der Antisemitismus. Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa zeigte dieser Antisemitismus diesen Sommer seine hässliche Fratze so deutlich wie lange nicht mehr. Am 14. September traf sich alles, was in der Politik Rang und Namen hat vor dem Brandenburger Tor um gegen diesen „Judenhass“ aufzustehen, besonders angesichts der Vergangenheit.
Heute versammelten sich wieder Menschenmassen vor dem Brandenburger Tor. Jedoch nicht um ein Zeichen zu setzen, dass man den 9. November als Anlass nehmen sollte jeden Tag weiter gegen Antisemitismus zu kämpfen, nein. Es wird gefeiert! Schließlich fand vor 25 Jahren doch ein viel angenehmeres, bequemeres geschichtliches Ereignis statt. Der Fall der Mauer ist Anlass für Tausende von Menschen auf die Straße zu gehen, die leuchtenden Luftballons zu bestaunen und sich so schön einig und frei zu fühlen.
Während also hier auf den Straßen die Freiheit einiger gefeiert wird, wird die Unfreiheit der Anderen bequemerweise ignoriert. Kanzlerin Merkel spricht absurderweise von der „Kraft zu gestalten“, „wir“ könnten „die Dinge zum Guten wenden“. Dabei sieht sie in die Ukraine, den Nahen Osten – aber bloß nicht ins eigene Land, oder an die EU-Grenzen. Scheinbar reicht das Mitgefühl eben doch nur für deutsche Flüchtlinge.
Aber was erwartet man von einer Politikerin, deren Partei im Land Thüringen gemeinsam mit einem Haufen Nazis am 9. November die Domstufen in Erfurt in ein „Lichtermeer“ verwandelte? Genau. Kein besonders ausgeprägtes Geschichtsverständnis.
Natürlich ist es einfacher sich am 9. November dem eigenen Patriotismus hinzugeben und bei einem schönen „Bürgerfest“ oder einem „Lichtermeer“ den eigenen Staat zu feiern. Und wer will denn an andere denken – schließlich sind „wir“ das Volk.
Es bleibt wohl dabei, scheinbar treibt auch weiterhin nichts so viele Deutsche auf die Straße wie ihr ‚Vaterland‘ – egal ob ’38, ’89 oder ’14.

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Austritt aus der Partei B90/Die Grünen http://dontpanicdora.blogsport.de/2014/07/01/austritt-aus-der-partei-b90die-gruenen/ http://dontpanicdora.blogsport.de/2014/07/01/austritt-aus-der-partei-b90die-gruenen/#comments Tue, 01 Jul 2014 20:10:29 +0000 Dora Antifaschismus http://dontpanicdora.blogsport.de/2014/07/01/austritt-aus-der-partei-b90die-gruenen/ Hier zur Kenntnis mein Austrittsgesuch, das ich gerade an den Landesvorstand der Grünen verschickt habe.

„Lieber Landesvorstand,
mit dieser Mail will ich meinen Austritt aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen nach §4.2 der Satzung erklären.
Ich bin damals Mitglied einer Partei geworden, die sich bedingungslos hinter Geflüchtete gestellt hat. Nach einer Woche Belagerungszustand der Gerhart-Hauptmann-Schule und die heutige Abgabe der Verantwortung für eine Räumung an die Berliner Polizei, kann ich es nun nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren, mich als Mitglied dieser Partei zu bezeichnen.
Die Krönung einer Reihe von fatalen Fehlentscheidungen ist der Berliner Polizei die Verantwortung für angebliche Verhandlungen und die Räumung zu übergeben. Einzelentscheidung hin oder her, eine Partei, die dieser Polizei komplett die Leben von Refugees in die Hand gibt, ist für mich persönlich aktuell nicht tragbar. Die Berliner Polizei ist bekannt für ihren Umgang mit (linken) Demonstrant*innen, die letzte Woche des Ausnahmezustands hat das nur mal wieder allzu deutlich gemacht, einer der traurigen Höhepunkte das Vorgehen gegen den Schüler*innenstreik heute morgen.
Diesen Menschen irgendeine Form von Sensibilität zuzutrauen, wie das Hans Pannhoff in seiner Erklärung gemacht hat, ist für mich einfach nur beschämend zynisch. Das ihn aber keine Alleinschuld trifft, sollte man eben auch nicht vergessen – Monika hätte spätestens (!) Montagabend durch das Ultimatum der Polizei die Möglichkeit gehabt, diesen unglaublichen Einsatz zu beenden. Dass das nicht passiert ist und, dass auch Pannhoffs Entscheidung vom Bezirk bisher nicht zurückgenommen wurde, enttäuscht mich enorm.

Solange bis es also endlich klare Konsequenzen und eine Rücknahme der Räumungsentscheidung gibt, kann ich nicht mehr Mitglied dieser Partei bleiben. Trotzdem hoffe ich sehr auf einen guten Ausgang dieser verfahrenen Situation – möglichst auch für die Grüne Partei, aber eben zu allererst für die Refugees.
LG Dora Streibl“

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Solidarität für alle außer Jüdinnen und Juden http://dontpanicdora.blogsport.de/2014/06/21/solidaritaet-fuer-alle-ausser-juedinnen-und-juden/ http://dontpanicdora.blogsport.de/2014/06/21/solidaritaet-fuer-alle-ausser-juedinnen-und-juden/#comments Sat, 21 Jun 2014 14:18:25 +0000 Dora Antifaschismus Antisemitismus http://dontpanicdora.blogsport.de/2014/06/21/solidaritaet-fuer-alle-ausser-juedinnen-und-juden/ Solidarität für alle außer Jüdinnen und Juden – Distanzierung vom Beschluss des Landesvorstands der Grünen Jugend Berlin zum Al Quds Tag Gegenbündnis

Gestern kam mein Antrag auf Unterstützung des antifaschistischen Aktionsbündnisses gegen den Al Quds Tag in Berlin auf der Landesvorstandssitzung der Grünen Jugend Berlin nicht durch.
Mit diesem Blogeintrag möchte ich mich als Mitglied des Landesvorstand und politische Geschäftsführerin der Grünen Jugend Berlin von dieser Entscheidung distanzieren und meine Unterstützung für die Arbeit und die Ziele des Bündnisses erklären.

Worum geht es überhaupt?
Am 26. Juli werden wieder mehrere hundert Antisemit*innen durch Berlin ziehen und so gut wie niemanden interessiert es.
Die Gegendemos sind im Vergleich mit Anti-Nazi-Demos spärlich besucht und auch sonst ist die geringe Menge an Aufmerksamkeit die diesem Aufmarsch zu Teil wird sehr peinlich.
Der Antisemitismus in ganz Europa nimmt immer weiter zu, so etwas wie das Attentat in Brüssel ist das tödliche Ergebnis. Und am Al Quds Tag nutzen Islamist*innen und Nazis jetzt die Chance um dieses Gedankengut noch weiter zu befeuern.

Eigentlich sollte es doch eine Selbstverständlichkeit sein, dass man sich diesem Marsch entgegenstellt.
Und dann kommen wir als Grüne Jugend Berlin, bezeichnen uns selbst als antifaschistisch und schaffen es nicht mal den simpelsten Teil antifaschistischer Arbeit zu leisten – uns gemeinsam mit Verbündeten gegen widerliche antisemitische Positionen zu stellen.
Das ist peinlich und damit wird jedes Bekenntnis gegen Antisemitismus zur Heuchelei.
Man kann nicht behaupten Antisemitismus zu bekämpfen und sich dann gegen so ein Bündnis stellen.

Bei jedem Naziaufmarsch wird zu Protesten aufgerufen – auch mit höchst fragwürdigen Gruppen, aber das ist egal, schließlich geht es um die Sache, man hat eine gemeinsame Schnittmenge, den Kampf gegen faschistoides Gedankengut. Im Fall vom Al Quds Tag ist das wohl zu viel verlangt.
Wir verweigern lieber die Solidarität nicht nur mit Jüdinnen und Juden sondern auch mit Homosexuellen und Trans*-Menschen, denn auch diese sind Opfer der beim Al Quds Tag propagierten Hetze.
Man muss ja schließlich schauen, mit wem man in einem Bündnis ist, ein minimal Konsens wie bei jeder anderen Demo ist wohl zu viel verlangt.

Auch die Argumentationslinie, dass ja nicht alle beim Al Quds Tag antisemitisch sind, erscheint absurd, wenn man sich überlegt, wir uns da sonst positionieren.
„In Dresden trauern ja auch wirklich Leute!“ – „Beim ‚Marsch für das Leben‘ wollen manche wirklich nur disabled persons schützen!“
Das sind Scheinargumente um eine Bewegung zu verharmlosen, die nichts harmloses an sich hat – und gerade wenn noch vernünftige Menschen dort mitlaufen, muss man ihnen mit einem klaren Entgegentreten aufzeigen, was der Rest der Leute dort denkt.
Und jede*r, der*die dann immer noch mitläuft, stellt sich auch hinter die antisemitischen Forderungen und muss sich dafür verantworten.

Das sich in der Abstimmung bei uns im Landesvorstand die Mehrheit enthalten hat, ist symptomatisch für die Antisemitismus-Debatte in der Grünen Jugend.
‚Bloß nicht bei so etwas kontroversen positionieren und damit Leute abschrecken‘ scheint die Devise zu sein. Aber genau das tut man.
Ich kenne mehrere Menschen, die sich aufgrund dieser Nicht-Positionierungen aus der Grünen Jugend zurückgezogen haben und ich kann das mehr als nachvollziehen.

Man ist nicht einfach neutral, wenn man die Antisemit*innen durch Berlin ziehen lässt ohne sich ihnen entgegenzustellen – man bezieht deutlich Position. Und zwar dahingehend, dass Antisemitismus nicht wichtig genug ist, um dafür den eigenen Kopf hinzuhalten.

Weil nur darum geht es – Antisemitismus.
Es geht nicht darum sich irgendwie zum Nahost-Konflikt zu positionieren. Es geht auch nicht darum in irgendeiner Weise allen Muslim*innen Antisemitismus zu unterstellen oder Rassismus zu verharmlosen.
Es geht darum sich menschenverachtendem Gedankengut entgegenzustellen. Antisemitismus genauso wie Rassismus.
Und solange das kein Konsens in der Grünen Jugend ist distanziere ich mich klar: Das ist nicht meine Grüne Jugend.

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Weiterführende Lesetipps zum Al Quds Tag und zu Antisemitismus:
„Als GRÜNE JUGEND stellen wir uns gegen Antisemitismus jeder Art.“
- Die Pressemitteilung des Bundesverbands der Grünen Jugend zum Al Quds Tag 2013.

„Von der Polizei verbotene Parolen wie »Israel – Kindermörder« wurden in »Zionisten – Kindermörder« umgewandelt. “
- Die Jüdische Allgemeine zum Al Quds Tag im letzten Jahr.

„Die Herren der Zinsen“
- Die Jungle World mit einem ausführlichen Artikel zu Antisemitismus in Europa.

„Trotz­dem will im Jahr 2014 kaum je­mand etwas von An­ti­se­mi­tis­mus wis­sen, so wie man von ihm auch 1945 nichts ge­wusst haben will. Nur die we­nigs­tens möch­ten über ihn spre­chen, noch we­ni­ger sehen ihn als aku­tes Pro­blem an. Denn bei ge­naue­rer Be­trach­tung, müss­te man sich ja eing­ste­hen, dass man ge­ge­ben­falls selbst ein Teil die­ses Pro­blems ist.“
- @GoldsteinChucky über die Verweigerung Antisemitismus als Problem anzuerkennen.

Nachtrag:
„In aktuellen öffentlichen Debatten legten die Wissenschaftler dar, werde nicht der Antisemitismus, sondern der Antisemitismus-Vorwurf skandalisiert. Dabei sei der Vorwurf des Kritik-Tabus längst widerlegt. Kaum ein Land wird in Deutschland heftiger und unverblümter kritisiert als Israel.“
Ein Artikel im Deutschlandfunk, zu intellektuellem und linkem Antisemitismus.

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Der „Ich kann doch kein*e … sein“-Reflex der Linken http://dontpanicdora.blogsport.de/2014/05/13/der-ich-kann-doch-keine-sein-reflex-der-linken/ http://dontpanicdora.blogsport.de/2014/05/13/der-ich-kann-doch-keine-sein-reflex-der-linken/#comments Tue, 13 May 2014 12:21:25 +0000 Dora Feminismus Antifaschismus Antisemitismus Antihomophobie http://dontpanicdora.blogsport.de/2014/05/13/der-ich-kann-doch-keine-sein-reflex-der-linken/ Auf der re:publica gab es einen Vortrag zur sog. Broken Comments Culture von @fraeulein_tessa. U.a. ging es darum, dass Online-Aktivist*innen, doch bitte nicht so schnell verbraucht werden sollen, und man die Handlungen der Personen kritisieren soll, und nicht die Personen selber.
Klingt prinzipiell doch plausibel, wurde von vielen geteilt, und ist eigentlich auch ein Appell, den ich teile.
Denn: wunderbar, wenn wir alle nur noch auf sachlicher Ebene kritisieren würden, und das nett in einer DM oder im Privatgespräch, anstatt öffentlich via Twitter einen Shitstorm anzufachen.
Das Problem ist nur, wenn diese Kritik nicht ankommt.

Man sieht sich selber als links (ob das der Rest der Linken auch so sieht, ist nochmal eine andere Frage), und engagiert sich politisch gegen Diskriminierungen, vielleicht aus einer persönlichen Betroffenheit heraus, als Frau*, als Nicht-Hetero, als Nicht-Cis, als Jüdin, als Muslima, als PoC, als… Man hat vielleicht auch begriffen, dass Antisemitismus und Rassismus keine Phänomene eines rechten Gesellschaftsrandes sind, sondern tief in der Gesellschaft verankert sind, durch Ressentiments und auch durch offene Vorurteile.

Was leider viel zu viele linke Menschen nicht begriffen haben: auch durch das Label „Links“, ist man nicht plötzlich frei von diskriminierendem Denken oder Verhaltensmustern.
Man sieht es bei den Montagsdemos, bei denen viele linke Menschen mitlaufen, was jedoch zwanghaft von anderen Linken abgelehnt wird, da bei dieser Friedensbewegung eine so große Menge an Verschwörungstheorien und Antisemitismus herumschwirrt, dass man sich sicher ist: Menschen, die das gut finden, können nicht links sein (Hierzu empfehle ich den Blogeintrag von @GoldsteinChucky).
Es gibt homosexuelle Männer*, die meinen, weil sie von der Gesellschaft diskriminiert werden, könnten sie ja selber gar nicht diskriminierend sein, sie sind ja selber Opfer und können dann ja jetzt einen linken Raum für sich nutzen, weil sie ja von der Gesellschaft unterdrückt werden – und übersehen dabei andere, denen es vielleicht ähnlich geht, die innerhalb dieses geschützten Raumes aber noch kein solches Selbstbewusstsein aufbauen konnten.
Oder Menschen, die sich selbst als israelsolidarisch bezeichnen, und total das Bewusstsein haben für den Antisemitismus anderer – aber weil sie ja grundsätzlich links sind, dabei total übersehen, wenn sie selber voller Vorurteilen sind.
Oder Menschen, die sich seit Jahren antifaschistisch engagieren und meinen, deshalb wäre es ja unmöglich, dass sie sich selbst antisemitisch geäußert haben -schließlich sind sie ja links und bekämpfen doch die Antisemit*innen…

Und genau das ist der Punkt. Was nützt es uns, wenn wir uns alle auf einer total sachlichen Ebene kritisieren, wenn es nicht angenommen wird?
‚Hey, ich bin links, du brauchst mir also gar nichts erzählen, ich weiß selber am Besten, dass ich nicht diskriminierend gewesen sein kann – schließlich habe ich mich doch selbst schon reflektiert und werde ja selber auch unterdrückt‘ – Juhu! Nicht.
Mich kotzt es an, dass sich diese Scheinheiligkeit aufgebaut hat, eine Schutzmauer des ‚Linkssein‘ hinter die man sich verziehen kann, sobald irgendwie an der eigenen Rolle als strahlende*r Retter*in der Gesellschaft vor den blöden Rechten und der genauso blöden Mitte der Gesellschaft gekratzt wird.
Links sein, schützt nicht vor diskriminierendem Verhalten und Denken, ich wiederhole es gerne nochmal, denn es ist ja irgendwie noch nicht überall angekommen.

Die Gesellschaft – das sind auch wir. Jede*r von uns ist Teil dieser Gesellschaft und mit den gleichen Ressentiments aufgewachsen wie die Anderen™. Man ist nicht automatisch plötzlich ein besserer Mensch, bloß weil man sich als Links bezeichnet und einmal überlegt hat, dass Diskriminierungen ja schon eher doof sind.
Man kann zu einem besseren Mensch werden, wenn man sich nicht mit Labels aufhält, die eigenen Vorurteile abbaut und überwindet, ja. Aber das ist nicht so einfach, wie wir es gerne hätten. Es ist ein ständig andauernder Prozess und ich wage es die eigentlich nicht sonderlich steile These aufzustellen, dass es nirgendwo auf der Welt einen Menschen gibt, der nicht irgendwelche diskriminierenden Denkmuster hat.
Und sobald man das eingesehen hat, kann man sich doch eigentlich schon auf den Weg der Besserung begeben.
Ja auch ich habe nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen, und verdiene garantiert keinen Heiligenschein. Und auch ich habe Kritik, die mir zugetragen wurde teilweise wirsch weggewischt.
Aber ich versuche daraus zu lernen und würde mir wünschen, wenn das andere auch tun würden.
Wir haben das Internet, wir haben Filterblasen, wir haben Menschen in unserem Umfeld, die sich eben mit dem einen oder anderen Thema besser auskennen, die uns dann vielleicht auch mal darüber aufklären, wenn wir gerade dumme Klischees reproduzieren. Das sollte für uns kein Anlass sein, diese Menschen zu blocken, sondern wir sollten uns, so schwer es auch fällt, mal überlegen, ob da vielleicht was wahres dran ist.
Es hat nichts mit Selbstschutz zu tun, wenn wir uns vor unseren eigenen Ressentiments verstecken. Das ist einfach nur Selbstbetrug.

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Keep Calm?! Der Veggie Day und deutsche Demokratie http://dontpanicdora.blogsport.de/2013/08/06/keep-calm-der-veggie-day-und-deutsche-demokratie/ http://dontpanicdora.blogsport.de/2013/08/06/keep-calm-der-veggie-day-und-deutsche-demokratie/#comments Tue, 06 Aug 2013 20:52:09 +0000 Dora Allgemein Wahlkampf I can't relax in Deutschland http://dontpanicdora.blogsport.de/2013/08/06/keep-calm-der-veggie-day-und-deutsche-demokratie/ Es passiert tatsächlich. Die Jugendorganisationen der deutschen Bundesregierung stellen sich vor die Parteizentrale der Grünen Partei um gegen einen Tag zu demonstrieren, an dem man in der Mensa oder Kantine statt zwischen Schnitzel und Bratwürstchen zwischen Spaghetti Arrabiata und einer Reispfanne wählt.
Wir haben noch 46 Tage bis zu einer Wahl die das Schicksal von 80 Millionen Menschen beeinflusst. Mehr Menschen noch, wenn man Deutschlands führende Rolle in Europa bedenkt.
Und tatsächlich. Der Wahlkampf wird seit gestern vom Thema Essen dominiert. Es ist so verdammt absurd. Und dann wiederum auch so bezeichnend für unser aktuelles politisches System.
Wie kommt es, dass sich tatsächlich Menschen über so etwas wie den Veggie Day aufregen können, zu anderen Dingen, auf Twitter war der Abhörskandal als Beispiel sehr beliebt, aber nichts kommt?
Es scheint fast so, als hätten die Parteien vor den großen Themen kapituliert. Als wäre klar, dass man sowieso nichts Grundlegendes ändert, und deswegen verstrickt man sich lieber in Essensfragen als über unsere diskriminierende Gesellschaft oder ähnlich deprimierendes zu reden.
Wir errichten mit diesem Wahlkampf eine ganz eigene Filterblase, in der ein Kantinenernährungsvorschlag Nazivergleiche hervorruft.
Wir machen es uns damit leicht, unbequeme Wahrheiten zu ignorieren wie etwa, dass eine Merkel-Abwahl nicht besonders wahrscheinlich ist. Oder, dass auch Rot-Grün nichts an den deutschen Zuständen ändern wird, und ein mutigeres Rot-Grün-Rot wird das Patriarchat auch nicht einfach abschaffen und den (Alltags-)Rassismus und Antisemitismus aus den Köpfen vertreiben können – let’s face it: vermutlich haben das viele der möglichen Beteiligten noch nicht mal vor.
Es kommt mir fast so vor, wie wenn die Demokratie in Deutschland für alle Beteiligten immer mehr zur Qual zu werden scheint, da sich ja doch nichts ändert.
Was sonst wollen einem so Sprüche wie „Cool bleiben und Kanzlerin wählen“ (von der Jungen Union) und „Keep Calm and vote for ‚Die Linke‘“ aufzeigen, wenn nicht die Politikverdrossenheit der Politiker*innen?
Statt ansatzweise selber politisch aktiv zu werden, oder wenigstens aktiv zu denken lieber ruhig sein, und andere ihre Arbeit machen lassen, ohne drüber nachzudenken, ob es bessere Optionen und Möglichkeiten gäbe – wenn das der Traum von JU und der Linken gleichermaßen ist, von Bewohner*innen einer wehrhaften Demokratie, na dann, danke.
Man könnte auch die mediale Aufmerksamkeit des Wahlkampfs nutzen um Bürger*innen dabei zu helfen sich und ihre Welt zu reflektieren, nein, stattdessen wird auf Kindergartenniveau um Stimmen gestritten.
Da braucht man sich auch nicht über Tweets wundern wie diesen hier, von @totalreflexion: „Ich fühle mich von diesem Wahlkampf intellektuell unterfordert.“

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