JK Rowling und die Gefangenen von Israel?*

Im Februar 2015 unterzeichneten rund 700 britische Künstler*innen in einem offenen Brief, dass sie den Nahostkonflikt lösen wollen, indem sie Israel boykottieren. Damit reihen sie sich ein in eine Bewegung, die sich BDS nennt – Boycott, Divestment and Sanctions. Mit ihrem Boykott wollen sie Israel dazu zwingen das „internationale Recht“ zu respektieren und die „kolonialistische Unterdrückung der Palästinenser“ zu beenden. Zum Vorbild genommen haben sie sich dafür Musiker*innen, die einen solchen kulturellen Boykott während der südafrikanischen Apartheid durchführten.
Vergangenen Donnerstag erschien nun ein weiterer offener Brief im Guardian. In diesem erklären rund 150 britische Autor*innen und Künstler*innen, warum sie einen Boykott Israels für falsch halten. Mit dabei: the one and only JK Rowling! Sie gab auch an diesem Montag ein zusätzliches Statement via Twitter heraus, indem sie noch einmal erklärt, warum sie kulturellen Boykott ablehnt. Dabei betont sie einerseits, dass die Falschen von einem Boykott betroffen wären, also nicht die Regierung, sondern die Bevölkerung, und andererseits sieht sie speziell in Kunst und Kultur eine „Kraft für das Gute“, die der Konflikt nötig hätte. Einen Boykott hält sie dagegen für „spalterisch, diskriminierend und kontraproduktiv“.
Man möchte meinen, dass das noch eine sehr zurückhaltende Erklärung ist, ich persönlich hätte mir den Antisemitismus dieser Boykott-Kampagne sehr viel konkreter benannt gewünscht, das Internet sieht das jedoch anders:

Es wird munter mit Vorwürfen herumgeworfen und, dass dabei die Bezeichnung von JKR als Zionistin als Beleidigung genutzt wird, ist noch einigermaßen nett.
Standardmäßig kennt man ja zu diesem Thema die Fraktion der Apartheid- und Ethnische Säuberung-Schreier*innen:

Warum Israel kein Apartheidsstaat ist, kann man übrigens zum Beispiel hier erfahren.

Doch warum die Autorin, neben ihrem scheinbaren Unwissen, so etwas wie diesen Brief unterstützt, haben die findigen Boykott-Liebhaber*innen von „The Electronic Intifada“ (ganz klar Friedenssuchende!) auch schon entdeckt:

Sie ist finanziell von den Juden abhängig! Also über ihren Agenten, dem sein Projekt angeblich von einer Bank gesponsort wird, die auch Siedlungen im Westjordanland finanziert. Wahlweise geht es ihr auch einfach nur um die eigenen Bücherverkäufe. Man möchte am liebsten direkt die Pappmaché-Krake aus dem Keller holen und gegen das jüdische (oder zionistische? Ach egal!) Kapital auf die Straße gehen!
Wie absurd es ist, einer Frau vorzuwerfen aus Geldgierigkeit zu handeln, die von dem Status der Milliardärin zur Millionärin abgestuft wurde, weil sie so viel gespendet hat, ist dabei natürlich egal.

Leider geht es auch noch weiter:

Es ist bekannt, dass JKR die Ideologie der Todesser teilweise an die der Nazis anlehnen wollte. Auch bekannt ist, wie gerne Antisemit*innen sich einer Täter*innen-Opfer-Umkehr bedienen und damit die Shoa zum Argument gegen den Staat Israel machen wollen.
Es kommt also wie es wohl kommen muss in einer guten Internet- und in jeder schlechten Nahostdebatte: der Nazivergleich.

Mal subtiler:

Und in einem langen, ausführlichen Brief auf Facebook, der fast fünftausend Mal geteilt wurde, dann auch ganz direkt:

Bisher hat JKR sich zu all diesen Anfeindungen, bis auf ihre zusätzliche persönliche Erklärung, zurückgehalten. Dabei hat sie in der Auseinandersetzung mit Antisemit*innen schon Erfahrung gesammelt. Im August retweetete sie einen Artikel über den Antisemitismus von Jeremy Corbyn, der mittlerweile neuer Chef der Labour Party ist, und durfte sich auch schon damals an den Reaktionen erfreuen und reagierte souverän:

JKRs erneutes Eintreten gegen Antisemitismus, auch wenn sie es diesmal nicht so deutlich benennen mag, macht jedenfalls mich als Harry Potter Fan sehr glücklich und ich hoffe sehr, dass die Reaktionen sie eher bestärken in Zukunft noch lauter und entschiedener zu kämpfen.
Ich bin mir jedenfalls sicher, dass Dumbledores Army eine israelsolidarische Antifa gewesen wäre, konsequent und immer gegen Ungerechtigkeit, Diskriminierung und krude Ideologien.
Thank you, Jo, dafür verzeihe ich dir fast schon ein oder zwei der Toten!

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* Den Titel habe ich gewissermaßen geklaut. Leider waren die Antisemit*innen mal ganz witzig.