Archiv für Dezember 2012

Kondome gegen Deutschland (2)

Im zweiten Teil zu diesem Thema geht es vor allem darum, was eine Schwangerschaft mit einer Frau macht, mit einer Feministin.
Da hat mensch also diese grundsätzliche Idee von einer Welt ohne Geschlechter, wünscht sich eine komplette Gleichberechtigung aller Menschen. Und dann: schwanger. DIE weibliche Eigenschaft an sich… Wann ist eine Frau denn bitte weiblicher als wenn sie schwanger ist?
Frau wird reduziert auf den eigenen Bauch und nicht nur beim Thema Schwangerschaftsabbruch wird oftmals das Kind über die Mutter gestellt, schließlich dient es dem „Volkserhalt“.
Während der Schwangerschaft Kaffee trinken, schwere Dinge tragen oder Rauchen? Bloß nicht, dass könnte doch dem Baby schaden.
Der schwangeren Frau wird dabei jegliche Möglichkeit der freien Entscheidung abgenommen, schließlich beeinflussen doch die Hormone ihre Entscheidungsfähigkeit viel zu sehr… Es ist unglaublich, wie sehr frau durch die Schwangerschaft zur reinen Gebärmaschine degradiert wird.
Hat frau die Schwangerschaft gut überstanden, bleibt die Frage nach der eigenen Rolle als Elternteil. Es gibt den Mutterschutz, und in den meisten Fällen wird auch die Elternzeit zu einem Großteil von Frauen beansprucht, bei Männern sind es meistens nur die 2 Monate, die Pflicht sind, damit die Frau noch länger zuhause bleiben kann, und dafür Geld kriegt…
Ich als Feministin, möchte nicht in so ein Rollenbild gedrängt werden, wer als Frau nicht zuhause bleibt ist aber automatisch als Rabenmutter verschrieen: „Wie kann man es denn als Mutter übers Herz bringen, sein Kind schon mit einem Jahr wegzugeben?“
Noch schöner ist es ja als alleinerziehende Mutter, in meiner Kita gibt es zwei oder drei alleinerziehende, berufstätige Mütter, die ihr Kind entsprechend lange in der Kita lassen, da ist halt der*die Zweijährige öfter mal von acht bis fünf in der Kita. Da fängt dann schon eine der Erzieher*innen immer an zu motzen, was das denn soll, wieso man sich dann überhaupt Kinder zulegt, wenn man keine Zeit mit ihnen verbringen will.
Ganz abgesehen davon, dass ich den Begriff Kinder „zulegen“ nicht besonders passend finde, ist es auch ziemlich mies diese Mütter dafür zu verurteilen, was sie für ein Lebensmodell gewählt haben (ob freiwillig oder nicht ist ja egal).
Grundsätzlich ist auch die Frage, in wie weit mensch als (links-)politischer Mensch selber seinen Idealen treu bleiben kann als Elternteil.
Ich kann mit einer*einem Zweijährigen nicht wirklich wie gleichgestellt umgehen, egal wie sehr ich mir das wünsche. Mir fallen auf Anhieb mehrere Situationen ein, in denen sich ein Kind ernsthaft verletzt hätte, wäre ich nicht als Autoritätsperson eingeschritten.
Basisdemokratie mit (Kleinst-)Kindern erscheint mir also aus eigener Erfahrung nicht wirklich möglich, klar kann ich es selber entscheiden lassen, was es spielen möchte, oder es entscheiden lassen, welche Kleidung es anzieht.
Aber es ist in unserer aktuellen Gesellschaft notwendig als Erwachsener für ein Kind Verantwortung zu übernehmen, gerade in formalen Sachen (Thema Wahlalter 0…). Aber auch im Alltag sind Kindern teilweise einfach hilflos, alleine schon was so banale Sachen wie Essen angeht.
Als Person, die sich Menschen so frei wie möglich wünscht, muss man nun in der Praxis also genau die Grenze finden, ab wann eine Entscheidung gemeinsam getroffen werden kann, und bis wann eine „Autoritätsentscheidung“ notwendig ist.
Und schon während ich das schreibe, finde ich es komplett falsch, dass es so ist, weiß aber leider keine Lösung, wie in diesem Fall das Ideal und die Praxis zusammen passen, ich durfte letzte Woche zwar an einem tollen Workshop zu „gleichberechtigter“ Bildung teilnehmen, aber ich weiß einfach nicht, wie solche Modelle wie Paulo Freires Pädagogik der Unterdrückten auf Situationen im Alltag mit (Kleinst-)Kindern übertragbar sind, die sich teilweise noch nicht wirklich verständigen können.

Kondome gegen Deutschland?

Vor einer Woche auf einer WG Party war ein Typ, der meinte, dass es eklig wäre, wenn sich zwei Männer küssen. Vor der jüdischen Kita in der ich arbeite, steht alle Stunde ein Polizeiwagen, und irgendein CDU-Politiker aus dem baden-württembergischen Landtag erklärt in einem Antrag, dass die „Belastung der Sozialsysteme“ durch autistische Menschen „nicht ohne Weiteres hingenommen werden darf“ (Antrag zu Autismus im Landtag BW) Solche Momente zeigen mir mal wieder, dass eine Welt ohne Ausgrenzung noch meilenweit entfernt ist. Trotzdem habe ich die Frage meiner Kollegin neulich, ob ich Kinder will mit ‚Ja‘ beantwortet.
Wie passt das zusammen? Will ich in einer Welt, in der Menschen so denken wirklich Kinder bekommen?
Jeder Mensch, der sich als Elternteil eines Kindes sieht, will möglichst jedes Leid von ihm fernhalten, auch wenn dass natürlich nicht geht, jede*r fliegt mal auf die Schnauze. Aber gewisse Leiden hängen nun mal mit dem vorherrschenden System und der bestehenden Gesellschaft zusammen, in einer idealen Welt gäbe es keine Sorgen wegen Jobs bzw. deren Verlust, oder wegen irgendwelcher Nazis oder homophober Arschlöcher.
An manchen Tagen kann ich auch einfach Torsun von Egotronic und seine Vasektomie verstehen, die er seiner Mutter gegenüber mit der Aussage „Ich will, dass die Deutschen aussterben!“ rechtfertigte (S.124, Z. 4; Raven wegen Deutschland von Torsun und Kulla).
Und genau genommen ist das ja die zweite große Gefahr. Was, wenn meine Kinder nicht zu den Leidenden werden, sondern zu denen die Leid zufügen? Kann ich das nur durch meine Erziehung verhindern?
Ich bin mir 100% sicher, dass der Mann mit dem ich mal Kinder kriegen werde, links sein wird. Für „unpolitische Beziehungen“ ist mein Leben mittlerweile zu politisch, ich kann nicht mit einem Menschen so viel von meinem Leben teilen, wenn er gendern für Blödsinn hält, und Deutschland geil findet. Ich kann es mir einfach nicht mehr vorstellen.
Da hat dann also dieses Kind zwei linke Eltern, aber garantiert wird es trotzdem zur EM/WM Zeit aus der Schule oder dem Kindergarten kommen und sich ein Deutschlandtrikot wünschen. Am Ende rebelliert das Kind auch noch politisch gegen uns und wird Nazi.
Wie will man sowas verhindern? Wie kann man die Idee der eigenen Utopie weitergeben bzw. wirklich für eine grundsätzliche Toleranz des Kindes sorgen? Reicht es, wenn mensch es den Kindern vorlebt und sie einen „Onkel“ Flo haben, der schwul ist, und eine „Tante“ Haimi, die vietnamesische Eltern hat? Gerade als jemand der in einer Kita arbeitet merke ich selber, wie viel ein Kind von dort mitnimmt, gerade an dummen Sachen. Am liebsten wird das nachgemacht, wo die Erwachsenen schimpfen. Auch sonst wird man von seiner Umgebung geprägt, sei es durch Werbung oder Fernsehen und andere Kinder/Freund*innen.
Eine Mutter in der Kita hat erzählt, sie hätte ihrer Tochter immer die Sachen von den beiden älteren Brüdern angezogen und trotzdem kam irgendwann die Pink-Phase, egal was sie ihr auch an schönen blauen/grünen/… Sachen angeboten hat.
Hier geht es jetzt nur um eine Farbe, aber was macht man als Elternteil denn wirklich, wenn das Kind z.B. anfängt Rechtsrock zu hören? Verbieten? Ganz abgesehen davon, dass ich das politisch nicht für sinnvoll erachte, bringt es auch einfach nichts. Der Reiz des Verbotenen und so.
Irgendwie scheint die Idee von Kindern also nicht sehr reizvoll, trotzdem halte ich weiterhin an einem grundsätzlichen Kinderwunsch fest, auch wenn das Einzige, womit ich ihn begründen kann, ein gewisser Drang nach dem Weitergeben von Genen ist, bzw. die Idee, dass ich selber es doch auf die Reihe kriege, dass ich es besser kann…
Es bleibt schließlich die Hoffnung, dass meine Kinder mal nur gegen mich als Person rebellieren, aber eben nicht gegen meine politischen Ansichten. So war es auch bei mir, egal wie weit ich mit meiner persönlichen Lebensplanung von den Vorstellungen von meiner Mutter weg bin, politisch waren wir immer grundsätzlich auf einer sehr ähnlichen Ebene, was, denke ich, auch in gewisser Weise mit einer grundsätzlichen feministischen, antifaschistischen und pazifistischen Erziehung zusammenhängen muss.
Nicht umsonst war ich in einer Grundschule mit nur drei „Bio-Deutschen“ in der Klasse, und nicht umsonst wurde ich mit 10 auf Anti-Irak-Krieg-Demos mitgenommen. Auch bei meiner Schwester hat das geklappt, also irgendwie scheint es ja doch möglich. Mensch muss nur den richtigen Weg finden, und den hoffe ich gefunden zu haben, bis ich schwanger werde ;)

Ich hab doch nichts mitzuteilen!

So, das hier ist der erste Blogeintrag, den ich jemals geschrieben habe. Premiere und so.
Wieso fange ich jetzt damit an, was habe ich eigentlich zu sagen, ist da ja eigentlich die große Frage. Nun, genau genommen habe ich vermutlich auch nicht mehr zu sagen, als die meisten anderen.
Ich engagiere mich politisch und habe eine Meinung.
Schön und gut, aber gibt es den nicht genug Blogs in denen unwichtige Leute über Politik schreiben?
Eigentlich schon. Aber etwas, dass mir in letzter Zeit extrem aufgefallen ist, ist, dass fast alle politischen Leute mit Blogs in meinem Umfeld Männer* sind. Sie betreiben ihn zumindest auch aktiv und promoten ihn via Facebook oder Twitter.
Dazu dann aber die ein oder andere Frau* mit einem Fashion- oder Foto-Blog…
Garantiert gibt es ganz, ganz viele politisch bloggende Frauen*, die ich einfach nicht kenne. Aber trotzdem frage ich mich, warum bei den Frauen* aus meinem Umfeld nichts los ist. Kein Interesse an Netzarbeit? Wohl kaum, Twitter und Facebook werden ja irgendwie auch politisch genutzt. Was ich eher vermute, ist im Grunde eher das selbe Problem, weshalb es quotierte Redelisten gibt:
Viele Männer* hören sich einfach selbst gerne reden. Man(n*) nimmt seine eigene Meinung für wichtig genug, dass man da auch mal fünf Minuten in einer kleinen Runde am Stück reden kann, dass man zu jeder Antragsdebatte etwas sagen will und, scheinbar auch, dass man einen ganzen Blog füllen kann.
Es ist unglaublich traurig, dass viele Frauen* nicht das selbe Selbstvertrauen in die eigene Meinung haben wie Männer*. Oftmals erscheint einem die eigene Meinung irrelevant, oder frau* denkt frau* hätte einfach nicht den entsprechenden Wissensstand. Ich selber habe auch so meine Probleme in größeren Gruppen mich selber in den Vordergrund zu schieben. Jedoch halte ich es eben für wichtig, genau das zu ändern, frau* muss lernen ihre eigene Meinung für so wichtig zu nehmen, wie die von anderen, denn wir haben auch etwas zu sagen, liebe Mitfrauen*!

Und weil ich etwas sagen kann, versuche ich ab jetzt meine politischen Meinungen auf virtuelles Papier zu bringen. Es mag sein, dass ich nichts neues erzählen werde, oder das es nicht besonders intelligent ist und die Welt nicht weiterbringt. Aber was soll’s, ich setze mich mit verschiedenen Themen auseinander, und warum sollte ich das nicht aussprechen genau wie alle anderen auch?
Bis demnächst, Dora